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Traditionen der boulevardesken Trendforschung

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Auszug

Alvin Toffler hatte eher periphere Berührungen mit der Soziologie. Er firmierte eine Zeitlang als Lehrbeauftragter für „Soziologie der Zukunft“ an der New School for Social Research in New York, war später Gastprofessor an der Cornell- University und Berater für unterschiedliche Think Tanks in den USA sowie Journalist bei Fortune. Mit „Future Shock“ erfand er eine neue Art von Sachbuch, das die damals sehr verbreiteten utopisch orientierten Werke für ein eher jugendliches Publikum („So leben wir morgen“; „Die Welt im Jahr 2000“, „Das neue Universum“) mit wissenschaftsartigen Einsprengseln und einem durchgehenden Leitmotiv versetzte: den „Disease of Change“, die Krankheit durch oder am Wandel. Während zum Beispiel Hermann Kahn und Norbert Wiener einen mathematisch-systemanalytischen Ansatz vertraten und ihre Prognosen berechneten, während die Soziologen im globalen Diskurs eine Methodologie der Vorhersage zu entwickeln suchten, doch zusehends deutlicher die wachsende Komplexität der Entwicklungen diagnostizieren, die sich jeder Prognose entzogen, verlegte sich Toffler auf die feuilletonistische Strategie des gehobenen Boulevards: auf plausible Mutmaßungen, gestützt durch anekdotische Evidenz und opportune Belegketten aus Einzelbeobachtungen, die er zu Markierungen der Zukunft erhob. Er entwickelte er einen neuen Stil, der den öffentlichen Bedürfnissen entgegenkam und die News Values der unmittelbaren Betroffenheit und der Sensation durch revolutionäre Veränderungen befriedigte. Mit diesem Leitmotiv des „Zukunfts-Schocks“, das den bis dahin dominierenden und höchst zuversichtlichen Middle-Class-Optimismus ablöste, traf Toffler den Nerv der Zeit: Zweifel an der ewigen Kontinuität der Konsumgesellschaft. Damit ist ein Kernaspekt des Genres formuliert: die Angst vor Veränderungen und das Versprechen einer Lösung. Methodologisch setzte man auf Plausibilität.

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2008

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