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Ungleiche Karrieren.

Bildungsaufstieg und Adoleszenzverläufe bei jungen Männern und Frauen aus Migrantenfamilien

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Auszug

Bildungsaufstieg2 stellt an Heranwachsende gesteigerte Transformationsanforderungen. Er kann — beispielsweise — damit verknüpft sein, im Verhältnis zu den Erwartungen oder zu einem ‚Auftrag‘ der Eltern einen eigenen Weg finden zu müssen. Wie es sich in den zitierten Passagen andeutet, kann ein solcher ‚Auftrag‘ umso bedrängender erlebt werden, wenn er in der Elterngeneration aus Missachtungs- oder Ausgrenzungserfahrungen resultiert oder wenn Kinder durch ihren Aufstieg auch Leid und Mühen der Eltern zu kompensieren versuchen. In diesem Sinne kann für die ‚zweite Generation‘ die Schwierigkeit entstehen, eigene Bildungsanstrengungen und Ambitionen von einer Anpassung an die Wünsche und Themen der Eltern abzugrenzen. Diese Konstellation ist ein Beispiel dafür, dass Differenzen oder auch Benachteiligung im Verhältnis zu Kindern aus so genannten ‚bildungsnahen‘ Familien nicht nur Folgen unterschiedlicher Ressourcen an ökonomischem, kulturellem und sozialem Kapital im engeren Sinne sind. Gesteigerte Transformationsanforderungen ergeben sich zudem daraus, dass der Sinn- und Praxishorizont der generationalen Tradierungen und eingeschliffenen Lebenspraktiken der Herkunftsfamilie und des Herkunftsmilieus, vertraute Deutungs- und Beziehungsmuster in einigen Hinsichten aufgegeben oder transzendiert werden müssen. Bildungsaufstieg beinhaltet, das Bildungsmilieu der Herkunftsfamilie in einigen Hinsichten zu verlassen und sich von damit verbundenen sozialen Beziehungen und soziokulturellen Praktiken stärker zu entfernen3.

Bildungsaufstieg wird hier gefasst als der statistisch weniger wahrscheinliche Fall des im Verhältnis zur Herkunftsfamilie weiterreichenden Bildungserfolgs. Dies berührt zwar zunächst die Ebene der Bildungskarrieren selbst und ist nicht zwangsläufig identisch mit der späteren sozialen Platzierung, da auch bei der Einmündung in den Beruf die soziale Herkunft (in Verbindung mit Geschlecht) erneut wirksam ist, aber zumindest wird die Wahrscheinlichkeit für eine spätere berufliche Tätigkeit mit höherem Einkommen und Prestige erhöht. Von besonderem Interesse sind jene Bildungsverläufe, die über die gesellschaftlich durchschnittliche Erhöhung des Bildungsniveaus hinaus (im Sinne des ‚Fahrstuhleffekts‘) zu einem deutlichen Überschreiten des sozialen Status und Bildungsniveaus der Herkunftsfamilie geführt haben.

Bildungstheoretisch formuliert, kann dadurch eine ‚Krise des Welt- und Selbstverhältnisses‘ (vgl. Koller 2002, 2005) initiiert werden, die Bildungsprozesse in Gang setzt; eine Krise kann jedoch auch vermieden und damit die Möglichkeit von Bildungsprozessen sistiert werden. Vgl. zum Bildungsaufstieg die Studien von Hummrich 2002, Pott 2002, Juhasz/May 2003 (sowie deren Beiträge in diesem Band) und von Gutiérrez Rodriguez 1999, Rohr 2001; zur Bildungsmigration Günther 2001.

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King, V. (2009). Ungleiche Karrieren.. In: King, V., Koller, HC. (eds) Adoleszenz — Migration — Bildung. VS Verlag für Sozialwissenschaften. https://doi.org/10.1007/978-3-531-91459-6_2

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