Jugendfürsorge als (sozial-)politisch vermittelte Bildungswirklichkeit

Auszug

Die Möglichkeit der Hervorbringung einer sozialpädagogischen Ordnung sollte auch für die Jugendfürsorge fruchtbar gemacht werden, was von Nohl (1965a: 46) in folgender Weise thematisiert wird: Die größte Not sei „stets in der Seele selber“. Entsprechend müsse „die größere Hälfte aller Hilfe Erziehungshilfe sein. […] Die Folge ist dann nicht bloß eine einseitige Einstellung auf Organisation, Statistik und Massenfürsorge, sondern vor allem ein Übersehen des solidesten Ausgangspunktes aller Hilfe, nämlich der Weckung des Willens zur Selbsthilfe und der Verantwortlichkeit für sich wie für die Gemeinschaft. Der Betreute sieht alle Schuld seiner Lage in den Umständen, wird naturgemäß immer passiver und fragt schließlich nur noch nach dem Rechtsanspruch, der ihm die öffentliche Hilfe sichert […] Gelingt es uns nicht, irgendwie die öffentliche Jugendhilfe und weiter doch auch die gesamte Wohlfahrtspflege so zu pädagogisieren, das heißt also auf die Weckung der Kräfte und des Willens zur Selbsthilfe beim einzelnen wie bei der Familie und auch bei der Gemeinde einzustellen, so dient sie unserem Volke statt zum Aufbau zur Charakterauflösung!“ Anders gesagt, die Möglichkeit zur Generierung sozialpädagogischer Ordnung durch biographische Erzählungen sollen nicht nur den bürgerlichen Jugendlichen, sondern jedem möglich werden. Die Jugendfürsorge wird als Ort bestimmt, an dem auch bei denjenigen sich eine Individualisierung der Lebensführung vollziehen soll, bei denen es scheinbar unwahrscheinlich ist.

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2009

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