Erziehungswirklichkeit

Auszug

Flitners Begriff der Erziehungswirklichkeit als „Zwischenwelt“ kommt dem im vorherigen darstellten Schauspiel nahe. Sie bezeichnet bei ihm im Anschluss an Nohl66 die Wirklichkeit zwischen der pädagogischen Situation als konkreten Fall und der sterilen pädagogischen Theorie (vgl. Flitner 1933: 15 f.). Wenn Flitner vom Stil der Erziehung spricht (vgl. Flitner 1933: 52, 1956: 128ff), ist mit Stil die Form gemeint, die sich die Erziehungsgemeinschaft gibt (vgl. Tenorth 1992: 214). Die pädagogische Intention wird aus dieser Perspektive als ein soziales Gebilde betrachtet, die eine erzieherische Funktion hat, die über Sozialisation hinausgeht. Sie stellt ein soziales Gebilde pädagogischer Verantwortung dar (vgl. Flitner 1933: 93ff.)67. Damit hat Flitner sehr viel deutlicher als Nohl auf die ästhetische Dimension der Erziehungswirklichkeit hingewiesen und darüber hinaus sie als soziales Gebilde mit einer eigenen Funktion ausgewiesen. Durch die systemtheoretische Re-description gelingt es dem Vorwurf gegenüber Nohls’ geisteswissenschaftlicher Pädagogik ein organizitisches Verständnis von Gemeinschaft zu vertreten (vgl. Reyer 1999: 36) entgegen zu treten. Durch die kommunikationstheoretische Begrifflichkeit wird deutlich, dass durch eine bestimmte Form der Selektion moralische Kommunikation entstehen kann. Zugleich wird gezeigt, dass obwohl Erziehungswirklichkeit unwahrscheinlich ist, sie durch die Funktion, die sie hat zugleich möglich ist. Dazu braucht sie aber eine gewisse organisatorische Absicherung, welche erst im Kontext der Hilfeplanung (vgl. Kapitel X) ansatzweise entsteht. Darüber hinaus ermöglicht die kommunikationstheoretische Grundlegung der Erziehungswirklichkeit empirische Anschlussfähigkeit (vgl. Kapitel IX).

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2009

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