Das konstruktive Normativitätsverständnis als Grundlage eines soziologischen Gesellschaftsverständnisses

Auszug

Habermas und Apel machen für das Normativitätsverständnis, das sie in ihren Darlegungen zur Diskursethik entwickeln, eine Annahme geltend, die für ein modernes Verständnis der Normativität nicht länger haltbar ist. Diese Annahme liegt darin, dass beide Diskurstheoretiker davon ausgehen, in der Sprache sei eine nicht weiter zu begründende, apriorische Verpflichtung zur diskursiven Verständigung angelegt. Mit dieser Annahme von einer a priori (oder auch transzendental) geltenden normativen Prämisse zeigt sich die Diskursethik einem philosophischen Verständnis des normativen Geltungsanspruchs verhaftet, das den neuzeitlichen Anforderungen eines prozessual aufgeklärten Verständnisses von der Normativität nicht gerecht wird.

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Literatur

  1. 1.
    Wie bereits angeführt, weist Habermas auf diesen metaphysischen Rest auch explizit hin. Er führt an, in seinem Diskursbegriff sei ein Moment der Unbedingtheit aufbewahrt, die als ein „Rest von Metaphysik“ verstanden werden müsse. Vgl. Habermas, Die Einheit der Vernunft in der Vielfalt ihrer Stimmen, S. 184.Google Scholar
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