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Methodische Verortung der Studie

Auszug

Gerade in der erziehungswissenschaftlichen Forschung ist ein qualitativ-empirisches Vorgehen derzeit nicht mehr grundsätzlich begründungsbedürftig und mittlerweile in etlichen Handbüchern und Methodensammlungen diskutiert worden (vgl. exemplarisch Friebertshäuser/Prengel 1997; Flick/von Kardorff/Steinke 2000; Schweppe 2003). Doch gerade die Ausweitung qualitativ ausgerichteter Forschungsarbeiten hat zu einem unüberschaubaren Dickicht von unterschiedlichen Methoden und Methodologien geführt. Keineswegs gibt es bislang eine abgeschlossene Diskussion über Gütekriterien oder Qualitätsstandards qualitativ ausgerichteter Empirie (Reichertz 2000). In dieser allgemeinen Bedeutung ist der Begriff einer „qualitativen Forschung“ somit lediglich ein Sammelbegriff von vielfältigen Forschungstraditionen, die teilweise wenige Gemeinsamkeiten haben. Ohne auf die Diskussion um den Stellenwert qualitativer Forschung im Weiteren einzugehen, erscheint es trotzdem an dieser Stelle notwendig, die dieser Studie zugrunde liegenden methodologischen und methodischen Voraussetzung offen zu legen, und damit die Studie in das Spektrum qualitativer Forschung einzuordnen.

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Literatur

  1. 15.
    Man vergleiche nur z.B. die computergestützte Auswertung von Offenen Interviews (Kelle 2000) mit der narrationsstrukturellen Auswertungsmethode autobiographischer Interviews (Schütze 1983).Google Scholar
  2. 16.
    Am deutlichsten wird dies wohl durch die sehr polarisiert geführte Diskussion zwischen den Vertretern der Objektiven Hermeneutik und Vertretern ethnographischer Ansätze, wobei man darauf aufmerksam machen muss, dass die Polarisierung in erster Linie von Oevermann selbst initiiert wurde (1996a; 2000, S. 87 (Fussnote 17)). Während der Verstehensprozess in der Objektiven Hermeneutik in dem Erschließen „objektiver“-latenter Sinnstrukturen seinen Ausgangspunkt nimmt, ist in der Ethnographie gerade das subjektive Erleben, bzw. die „dichte Beschreibung“ der Ausgangspunkt der Analyse.Google Scholar
  3. 17.
    Die Orientierung an subsumtionslogischen versus rekonstruktionslogischen Verfahren im Gegensatz zur Unterscheidung von qualitativen und quantitativen Methoden hat den Vorteil, analytisch genauer empirische Methoden unterscheiden zu können. So sind einige sog. Qualitative Methoden in ihrer Logik wesentlich näher an einem quantifizierenden Paradigma orientiert als an den Merkmalen qualitativer Forschung, z.B. die Inhaltsanalyse (Mayring 2000). Oftmals besteht der qualitative Teil von Studien nur in einigen offenen Fragen im Fragebogen, deren Auswertung dann nach subsumtionslogischen Kriterien (oft sogar computergestützt) vorgenommen wird. Die Oevermannsche Definition bietet damit eine Definition von qualitativer Forschung, die nicht ausschließlich in Abgrenzung von quantitativen Methoden vorgenommen wird, sondern einen eigenen Begründungszusammenhang bietet.Google Scholar
  4. 19.
    Vgl. die Diskussion bei Sutter (1997, S. 150ff).Google Scholar
  5. 21.
    Man denke nur an die auch von Wernet (2000, S. 24) zitierten Beispiele Freuds wenn etwa „die Tatsachen zum Vorschwein kommen“ oder die Aufforderung ergeht, „auf das Wohl unseres Chefs aufzustoßen“. Die Peinlichkeit solcher Versprecher bestätigt die Vermutung, dass auch die Zuhörer die latente Bedeutungsstruktur dieses Versprechers entschlüsseln und genau über diese Offenbarung lachen.Google Scholar
  6. 22.
    Diese Erfahrung bestätigt sich vor allem bei dem Einsatz interpretativer Methoden, beispielsweise in der Lehrerbildung (Beck u.a. 2000) und bei der sozialpädagogischen Fallanalyse (Hörster 2001).Google Scholar
  7. 23.
    So rechnet beispielsweise Mayring in seiner Einführung (2002, S. 125f) vor, dass man für die Analyse von einer Seite Protokoll eine Gruppe von fünf Personen für mindestens 30 Interpretationsstunden benötigen würde und dann ein 50-seitiges Protokoll produzieren müsste.Google Scholar
  8. 26.
    Die aufgeführte Kritik bezieht sich ausschließlich auf die Verfahrensweise der Objektiven Hermeneutik und weniger auf die methodologischen Prämissen. Eine methodologische Diskussion würde den Rahmen dieser Arbeit überschreiten (vgl. zur Kritik im Überblick Bohnsack 2003; Garz/Kraimer 1994).Google Scholar

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