Advertisement

Kriminalpolitik, politische Steuerung und wissenschaftliche Politikberatung

  • Stephan Heinrich
  • Hans-Jürgen Lange

Auszug

Politikberatung ist ein schillernder und zugleich schwammiger Begriff, der zwischen den Bezugspunkten wissenschaftlicher Beratung, Public Affairs und Public’ Relations chargiert. Ebenso vielfältig sind die Akteure und Zielsetzungen der Politikberatung sowie deren Einfluss und Einbeziehung im politischen Prozess. Der folgende Beitrag beschäftigt sich nur mit einem Ausschnitt dieses Spektrums. Er bezieht sich auf die Beratung der politischen Akteure durch die Wissenschaft und damit in erster Linie auf die Dimensionen1 von Policy (Politik-und Programminhalte) sowie — eingeschränkt — von Polity (Politikstrukturen). In der Realität können beide Dimensionen oftmals nicht von der Politics-Dimension (Politikprozesse) getrennt werden, denn sie überschneiden sich häufig in vielfältiger Weise. Wissenschaftliche Politikberatung wird dabei als Versuch verstanden, sowohl Policy wie auch Polity, also die Inhalte und Strukturen von Politik, unter Einbeziehung rationaler, wissenschaftlich begründeter Aussagen und Kenntnissen zu gestalten und damit zu einer rational begründeten und legitimierten Form der Politik zu gelangen — ohne jedoch die Autonomie originär politischer Entscheidungen bzw. deren Spielraum einzuschränken.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. Albrecht, Hans-Jörg / Dorsch, Claudia / Krüpe, Christiane 2003: Rechtswirklichkeit und Effizienz der Überwachung der Telekommunikation nach den §§ 100a, 100b StPO und anderer verdeckter Ermittlungsmaßnahmen, Abschlussbericht, FreiburgGoogle Scholar
  2. Beyme, Klaus von 1997: Der Gesetzgeber. Der Bundestag als Entscheidungszentrum, OpladenGoogle Scholar
  3. BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) 2005: Studie: „Untersuchung der Leistungsfähigkeit von biometrischen Verifikationssystemen — BioP II“, Öffentlicher Abschlussbericht, BonnGoogle Scholar
  4. Cassel, Susanne 2001: Politikberatung und Politikerberatung. Eine institutionenökonomische Analyse der wissenschaftlichen Beratung der Wirtschaftspolitik, BernGoogle Scholar
  5. Eyrich, Hans-Jürgen / Schuster, Leo 1984: Zweifel an der generellen Gültigkeit der Perseveranzhypothese, in: Kriminalistik, H. 10, S. 487–489Google Scholar
  6. Falk, Svenja u. a. (Hg.) 2006: Handbuch Politikberatung, WiesbadenGoogle Scholar
  7. Friedrich, Bernd 1986: Von Perseveranz kaum eine Spur, in: Kriminalistik, H. 4, S. 188, 205–206Google Scholar
  8. Gebauer, Klaus-Eckart 1994: Ministerialverwaltung und Wissenschaft — aus Sicht einer Staatskanzlei, in: Murswieck, A. (Hg.): Regieren und Politikberatung, Opladen, S. 131–156Google Scholar
  9. Habermas, Jürgen 1968: Technik und Wissenschaft als Ideologie, Frankfurt a. M.Google Scholar
  10. Heinrich, Stephan 2004: Auf dem Weg in einen Überwachungsstaat? Informationssicherheit und Kontrolle in offenen Netzen, MarburgGoogle Scholar
  11. Heinrich, Stephan 2007: Innere Sicherheit und neue Informations-und Kommunikationstechnologien. Veränderungen des Politikfeldes zwischen institutionellen Faktoren, Akteursorientierungen und technologischen Entwicklungen, MünsterGoogle Scholar
  12. Janning, Josef 1996: Anforderungen an die Denkfabriken, in: Internationale Politik, H. 9, S. 65–66Google Scholar
  13. Lange, Hans-Jürgen 2000: Innere Sicherheit als Netzwerk, in: Ders. (Hg.): Staat, Demokratie und Innere Sicherheit in Deutschland, Opladen, S. 235–255Google Scholar
  14. Lange, Hans-Jürgen 2003: Das Politikfeld Innere Sicherheit, in: Grunow, D. (Hg.): Verwaltungshandeln in Politikfeldern. Politikfeldbezogene Verwaltungsanalyse, Opladen, S. 225–227Google Scholar
  15. Lange, Hans-Jürgen / Schenck, Jean-Claude 2004: Polizei im kooperativen Staat. Verwaltungsreform und Neue Steuerung in der Wissenschaftsverwaltung, WiesbadenGoogle Scholar
  16. Leggewie, Claus 2006: Deliberative Demokratie — Von der Politikzur Gesellschaftsberatung (und zurück), in: Falk, S. u. a. (Hg.): Handbuch Politikberatung, Wiesbaden, S. 152–160Google Scholar
  17. Liebl, Karlhans 2003: Polizei vor Ort: Was nun? Anmerkungen und Fragen zur hermeneutisch-wissenssoziologischen Polizeiforschung, in: Reichertz, J. / Schröer, N. (Hg.): Hermeneutische Polizeiforschung, Opladen, S. 147–160Google Scholar
  18. Lompe, Klaus 2006: Traditionelle Modelle der Politikberatung, in: Falk, S. u. a. (Hg.): Handbuch Politikberatung, Wiesbaden, S. 25–34Google Scholar
  19. Martinsen, Renate 2006: Partizipative Politikberatung — der Bürger als Experte, in: Falk, S. u. a. (Hg.): Handbuch Politikberatung, Wiesbaden, S. 138–151Google Scholar
  20. Mayntz, Renate 2006: Die Organisation wissenschaftlicher Politikberatung in Deutschland, in: Heidelberger Akademie der Wissenschaften (Hg.): Politikberatung in Deutschland, Wiesbaden, S. 115–122Google Scholar
  21. Neidhardt, Friedhelm 2006: Wissenschaftliche Politikberatung via Medien? In: Heidelberger Akademie der Wissenschaften (Hg.): Politikberatung in Deutschland, Wiesbaden, S. 146–154Google Scholar
  22. Ohlemacher, Thomas u. a. 2003: Empirische Polizeiforschung: Auf dem Weg zum Pluralismus der Perspektiven, Disziplinen und Methoden, in: Lange, H.-J. (Hg.): Die Polizei der Gesellschaft. Zur Soziologie der Inneren Sicherheit, Opladen, S. 377–398Google Scholar
  23. Reichertz, Jo / Schröer, Norbert 2003: Hermeneutisch-wissensoziologische Polizeiforschung. Entstehungskontext — Forschungsinteresse — Methodologie und Methode — wissenschaftlicher Status, in: Lange, H.-J.Dies. (Hg.): Hermeneutische Polizeiforschung, Opladen, S. 17–36Google Scholar
  24. Rosenow, Ernst 1984: Immer noch Nachholbedarf ..., in: Kriminalistik, H. 2, S. 108–111Google Scholar
  25. Sabatier, Paul A. 1993: Advocacy-Koalitionen, Policy-Wandel und Policy-Lernen: Eine Alternative zur Phasenheuristik, in: Héritier, A. (Hg.): Policy-Analyse. Kritik und Neuorientierung, PVS-Sonderheft 24, Opladen, S. 116–148Google Scholar
  26. Schneider, Volker / Janning, Frank 2006: Politikfeldanalyse. Akteure, Diskurse und Netzwerke in der öffentlichen Politik, WiesbadenGoogle Scholar
  27. Schubert, Klaus / Bandelow, Nils (Hg.) 2003: Lehrbuch der Politikfeldanalyse, MünchenGoogle Scholar
  28. Sebaldt, Martin 2001: Parlamentarische Demokratie und gesellschaftliche Modernisierung: Der Deutsche Bundestag im Gefüge organisierter Interessen seit Mitte der siebziger Jahre, in: Oberreuter, H. / Kranenpohl, U. / Sebaldt, M. (Hg.): Der Deutsche Bundestag im Wandel. Ergebnisse neuerer Parlamentarismusforschung, Wiesbaden, S. 280–302Google Scholar
  29. Steffen, Wiebke 1983: Perseveranz und modus operandi, in: Kriminalistik, H. 10, S. 481–484Google Scholar
  30. Steinke, Wolfgang 1993: Das „Oevermann-Projekt“. Oder die Umkrempelung des Kriminalpolizeilichen Meldedienstes (KPMD), in: Kriminalistik, H. 3, S. 187–190Google Scholar
  31. Thunert, Martin 2003: Think Tanks in Deutschland — Berater der Politik? In: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 51, S. 30–38Google Scholar
  32. Walzer, Michael 1993: Kritik und Gemeinsinn, Frankfurt a. M.Google Scholar
  33. Walliser, Fritz 1984: Personenauskunftsdatei (PAD), Falldatei (MOD) und Perseveranztheorie, in: Kriminalistik, H. 6, S. 322–327Google Scholar
  34. Walliser, Fritz 1986: Baden Württemberg: Mehr Perseveranz als anderswo? In: Kriminalistik, H. 6, S. 285–289Google Scholar
  35. Weingart, Peter 2001: Die Stunde der Wahrheit? Zum Verhältnis der Wissenschaft zu Politik, Wirtschaft und Medien in der Wissensgesellschaft, WeilerswistGoogle Scholar
  36. Weingart, Peter 2006: „Demokratisierung“ der wissenschaftlichen Politikberatung — Eine Antwort auf die Legitimationsdilemmata im Verhältnis von Wissenschaft und Politik? In: Heidelberger Akademie der Wissenschaften(Hg.): Politikberatung in Deutschland, Wiesbaden, S. 73–84Google Scholar
  37. Wewer, Göttrik 2003: Politikberatung und Politikgestaltung, in: Schubert, K. / Bandelow, N. (Hg.): Lehrbuch der Politikfeldanalyse, München, S. 361–389Google Scholar

Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2008

Authors and Affiliations

  • Stephan Heinrich
    • 1
    • 2
  • Hans-Jürgen Lange
    • 3
    • 4
  1. 1.Forschungsgruppe polikon am Rhei-Ruhr-Institut für SozialforschungDeutschland
  2. 2.Politikberatung (RISP) an der Universität Duisburg-EssenDeutschland
  3. 3.Philipps-Universität MarburgDeutschland
  4. 4.Rhein-Ruhr-Instituts für Sozialforschung und Politikberatung (RISP) an der Universität Duisburg-EssenDeutschland

Personalised recommendations