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Der Bürger als kriminalpolitischer Akteur: Politische Anstrengungen zur Vergemeinschaftung der Verantwortung für Sicherheit und Ordnung

  • Kurt H. G. Groll
  • Herbert Reinke
  • Sascha Schierz

Auszug

„Der Bürger“ ist zu Beginn des neuen Jahrtausends zu einer zentralen Bezugsgröße der Kriminalpolitik geworden bzw. als eine solche wieder entdeckt worden. Dieses gilt in mehrfacher Hinsicht: So soll der Bürger als Individuum in Maßnahmen und Strategien der Aurrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und, jetzt wieder, der Ordnung aktiv einbezogen werden, indem er z. B. selbst auf Streife geht, quasipolizeiliche Aufgaben übernimmt. Während ausgesuchte Bürger auf diese Weise individuell einbezogen werden, ist die Bürgerschaft in ihrer Gesamtheit — aus einer anderen Perspektive gesehen — „nur“ eine, wenn auch sehr wesentliche kategoriale Bezugsgröße: Art und Ausmaß der Furcht des Bürgers vor kriminalitätsbedingten Gefährdungen und Unsicherheiten werden in dieser Perspektive zu demjenigen Maßstab, an dem kriminalpolitische Strategien ausgerichtet werden. Parallel dazu gibt es neuere Entwicklungen, deren Intentionen weiter reichen: Der Bürger soll weiterhin aktiv einbezogen werden. Er soll aber nicht quasipolizeilich auf Streife gehen, stattdessen soll er seine Aufmerksamkeit und seine Interventionsbereitschaft erhöhen und bereits im Vorfeld der Kriminalität aktiv werden; wobei in diesem Zusammenhang Ordnungsstörungen bereits als kriminalitätsrelevant wahrgenommen werden.

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Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2008

Authors and Affiliations

  • Kurt H. G. Groll
    • 1
    • 2
  • Herbert Reinke
    • 3
  • Sascha Schierz
    • 4
  1. 1.Bergischen Universität WuppertalDeutschland
  2. 2.Heinrich-Heine-Universität DüsseldorfDeutschland
  3. 3.Zentrum für Antisemitismusforschung der TU BerlinUK
  4. 4.Universität WuppertalDeutschland

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