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Rauschgiftkriminalität

  • Thomas Schweer

Auszug

2006 wurden in der Bundesrepublik Deutschland 255.019 Rauschgiftdelikte registriert (vgl. Bundeskriminalamt 2007, S. 219). Dies machte bei 6.304.223 Straftaten einen Anteil von vier Prozent aus (vgl. ebd., S. 29 f.). Während die Entwicklung bei der Gesamtzahl der Straftaten in den vergangenen Jahren eher uneinheitlich verlief (vgl. ebd., S. 27), stieg die Zahl der Rauschgiftdelikte zwischen 1993 und 2003 kontinuierlich an. Erst seit 2004 ist ein Rückgang zu verzeichnen (siehe Abbildung 1), was jedoch kaum Rückschlüsse auf eine Entspannung des Rauschgiftmarktes zulässt. Vordergründig handelt es sich bei der Rauschgiftkriminalität um eine Form der „opferlosen Kriminalität“, da weder Konsument noch Dealer an einer Aufdeckung der Straftat Interesse haben. So ist die Entwicklung der Fallzahlen in diesem Deliktbereich stark von dem proaktiven Handeln der Sicherheitskräfte abhängig. Damit erklärt sich die im Vergleich zur Gesamtkriminalität exorbitant hohe Aufklärungsquote von über 90 %. Hinzu kommt, dass längst nicht jedes Delikt, insbesondere was den Besitz von kleinen Drogenmengen zum Eigenkonsum anbelangt, zur Anzeige kommt. Polizisten praktizieren im Umgang mit Drogenabhängigen gelegentlich informelle Lösungsstrategien, zum einen, um ihren Arbeitsaufwand zu minimieren, zum anderen aus präventiven Beweggründen: „Ich nehm’ dem Typen den Stoff ab, und der hat Druck, Suchtdruck. Ich produzier’ ja geradezu Beschaffungskriminalität. Der braucht Geld für neuen Stoff, also klaut er ein Radio, um das zu Geld zu machen und sich Drogen zu besorgen.“1

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Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2008

Authors and Affiliations

  • Thomas Schweer
    • 1
  1. 1.Projektgruppe „Abweichendes Verhalten und soziale Konttolle“ (ASK)Rhein-Ruhr-Institut für SozialforschungDeutschland

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