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Auf der Suche nach der guten Gesellschaft — Der Kommunitarismus Amitai Etzionis

  • Stefan Lange

Auszug

Das Schlagwort, unter dem Etzionis Denken auch von ihm selbst eingruppiert wird, lautet Kommunitarismus. Zum einen wird unter Kommunitarismus eine seit den achtziger Jahren anwachsende Theorieströmung in den Geistesund Sozialwissenschaften verstanden, die den westlichen Gesellschaften eine Tendenz zur sozialen Desintegration diagnostiziert und die philosophischen und sozialwissenschaftlichen Reflexionstheorien dieser Gesellschaften als zu einseitig dem liberalen Individualismus verhaftet kritisiert. Im Gegenzug wird ein Eigenwert der „Gemeinschaft” gegenüber „Individuum” und „Gesellschaft” proklamiert. Zum anderen tritt der Kommunitarismus — vor allem in seinem Ursprungsland: den USA — als eine soziale Bewegung auf, die, angeleitet von der akademischen Diskussion, eine Domestizierung des Egoismusprinzips in Wirtschaft und Gesellschaft durch eine neu zu begründende öffentliche Moral sowie durch die Stärkung lokaler Gemeinschaftsbildung (eben der „communities”) praktisch einfordert. Der Kommunitarismus als soziale Bewegung versteht sich damit auch als Propagandist für eine alternative politische Ordnungskonzeption zwischen den Polen eines laissez-faire- Liberalismus und des ethischen Sozialismus.

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Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2007

Authors and Affiliations

  • Stefan Lange
    • 1
  1. 1.Stiftungslehrstuhl für Wissenschaftsorganisation, Hochschul- und WissenschaftsmanagementDeutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften SpeyerDeutschland

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