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Der moderne soziale Konflikt zwischen Unterklassen und Mehrheitsklasse — Ralf Dahrendorfs Diagnose der Bürgergesellschaft

  • Thomas Brüsemeister

Auszug

Das 1992 erschienene Buch „Der moderne soziale Konflikt” stellt, so Ralf Dahrendorf, „die Summe meiner Sozialwissenschaft” dar (9).1 Das Buch ist eine „Sozialanalyse, in die strenge Theorie, normative Absicht und historische Durchdringung verwoben werden” (10). Entlang verschiedener Ländervergleiche entwickelt der Autor eine Grundthese: „Der moderne soziale Konflikt ist ein Antagonismus von Anrechten und Angebot, Politik und Ökonomie, Bürgerrechten und Wirtschaftswachstum. Das ist immer auch ein Konflikt zwischen fordernden und saturierten Gruppen.” (8) Diese These, die es im Folgenden zu entfalten gilt, wird von Dahrendorf in liberaler Tradition entworfen, der zufolge soziale Konflikte Motoren für gesellschaftliche Entwicklungen darstellen. In den vergangenen Jahren gab es nach Dahrendorf unterschiedlichste Arten sozialer Ungleichheiten, die zum Ausgangspunkt für soziale Konflikte und damit eine gesellschaftliche Entwicklung wurden. In Anlehnung an Thomas H. Marshall deutet Dahrendorf diese sozialen Konflikte als Kampf um eine Bürgergesellschaft, die im 18. Jahrhundert durch das Erstreiten von Grundrechten, im 19. Jahrhundert durch den Kampf um politische Rechte sowie im 20. Jahrhundert durch soziale Rechte möglich wurde (62/63). Die Bürgergesellschaft scheint heute fast erreicht — aber damit haben sich in den Augen Dahrendorfs beinahe auch die klassischen Antagonismen erschöpft, die zuvor für eine gesellschaftliche Entwicklung sorgten. Deshalb will er nun die Optik feiner stellen, um neue soziale Konflikte auszumachen, aus denen Gesellschaften heute Entwicklungspotentiale schöpfen können.

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Literatur

  1. Dahrendorf, Ralf, 1992: Der moderne soziale Konflikt. Essay zur Politik der Freiheit. Stuttgart: Deutsche Verlagsanstalt.Google Scholar
  2. Dahrendorf, Ralf, 1996: Widersprüche der Modernität. In: Max Miller / Hans-Georg Soeffner (Hrsg.), Modernität und Barbarei. Soziologische Zeitdiagnose am Ende des 20. Jahrhunderts. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 194–204.Google Scholar
  3. Neckel, Sighard, 1999: Blanker Neid, blinde Wut? Sozialstruktur und kollektive Gefühle. In: Leviathan 27, 145–165.Google Scholar

Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2007

Authors and Affiliations

  • Thomas Brüsemeister
    • 1
  1. 1.Fern-UniversitätHagen

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