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„Rasse“ und Vererbung: Otmar von Verschuer (1896–1969) und der „wissenschaftliche Rassismus“

  • Hans-Peter Kröner

Auszug

Die nationalsozialistische Rassenpolitik als Teil der nationalsozialistischen Bevölkerungspolitik ging von der Existenz unterschiedlich zu bewertender Menschenrassen aus, deren Vermischung als schädlich für den „Volkskörper“ und für die völkische Kultur angesehen wurde. Wissenschaftlich legitimiert wurde diese These von Wissenschaftlern, die sich für die Prozesse der qualitativen Bevölkerungsentwicklung zuständig hielten: die Erbforscher, Eugeniker, Rassenhygieniker und Anthropologen. Diese Legitimation möchte ich als „wissenschaftlichen Rassismus“ bezeichnen. Am Beispiel des Erbforschers und Rassenhygienikers Otmar von Verschuer soll dieser wissenschaftliche Argumentationsstrang nachgezeichnet werden. Auf der Grundlage von Verschuers Publikationen zwischen 1924 bis 1945 werden zunächst seine Grundbegriffe und theoretischen Voraussetzungen und die daraus resultierenden Forderungen für die Rassenpolitik dargestellt.1 Im Vordergrund soll dabei die Frage nach der wissenschaftlichen Konsistenz der rassenanthropologischen Theoreme stehen. Anschließend wird ein Ausblick auf von Verschuers Stellung zur nationalsozialistischen Rassenideologie gegeben.

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Literatur

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Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2007

Authors and Affiliations

  • Hans-Peter Kröner

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