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„Und ich fühl mich als Kölner, speziell als Nippeser“ Lokale Verortung als widersprüchlicher Prozess

  • Erika Schulze
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Verspätet und nur sehr zögerlich hat die Bundesrepublik begonnen, sich selbst als Einwanderungsgesellschaft zu verstehen. Wenngleich sich die Realität nach mehr als vierzig Jahren verstetigter Immigration schon lange verändert hatte, vollzog sich erst mit der Novellierung des Staatsangehörigkeitsrechts im Jahr 2000 ein Wechsel auf der politischen Ebene. Der heterogen gewordenen Gesellschaft wurde halbherzig Rechnung getragen, indem „dem ethno-nationalen Abstammungsprinzip ein jus soli an die Seite‘ gestellt wurde (Mannitz 2003: 152). Doch trotz der politischen Reformansätze ist die bundesrepublikanische Gesellschaft realiter weit davon entfernt, ihr Selbstverständnis zu modernisieren. Zugehörigkeit wird weiterhin vorrangig über die Herkunft (im Zweifelsfall die Herkunft der Großeltern) definiert und die Normalvorstellung darüber, was eine Deutsche/ein Deutscher ist, lässt wenig Spielraum. Diese hegemoniale Selbstdefinition ist mit einem engen, homogenisierenden und statischen Kulturbegriff verbunden, der den Mythos aufrechterhält, Kultur sei als Bestand gegebener Elemente zu verstehen, der eindeutig ist und für alle Mitglieder einer kulturellen Gruppe (national oder ethnisch bestimmt) Verbindlichkeit besitzt (vgl. hierzu kritisch Sökefeld 2004). Die wiederkehrenden Diskussionen um die ‚deutsche Leitkultur‘1 oder aber der baden-württembergische Einbürgerungs-Fragebogen sind beredte Beispiele dafür, wird doch hier eine ‚deutsche‘ bzw. eine ‚muslimische‘ Kultur zugrunde gelegt. Analog zu diesem Kulturverständnis findet sich ein breiter Diskurs, der Zuordnungen jenseits solcher Eindeutigkeiten pathologisiert.

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH,Wiesbaden 2007

Authors and Affiliations

  • Erika Schulze

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