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Indoktrination Rückseite oder Extrem?

  • J. Henning Schluβ

Auszug

„Problemen von der Rückseite her sich zu nähern, sie quasi nach außen zu stülpen, ist oft besonders erhellend„, schreibt der Kulturhistoriker Peter Burke in einer Abhandlung über Geschichte als soziales Gedächtnis, in der er auch das Phänomen der „sozialen Amnesie„ untersucht (Burke 1991: 299). Im Titel dieses Bandes, Indoktrination und Erziehung — Einblicke in die Rückseite der Pädagogik, ist die Behauptung impliziert, dass es sich bei der Indoktrination wie beim Paar Gedächtnis und Amnesie ebenfalls um eine Rückseite, ein Gegenteil, diesmal allerdings von Erziehung handele. Schon diese Behauptung allerdings ist umstritten. Ist Indoktrination tatsächlich das Gegenteil von Erziehung? Ist sie nicht vielmehr ihre letzte Konsequenz, ihre implizite Struktur oder ihr Extrem? Funktionalistisch betrachtet scheint diese Annahme nahe zu liegen. Erziehung zielt auf die Beeinflussung von Heranwachsenden, Zöglingen etc. Indoktrination zielt eben auf diese, allerdings liegt ihr Akzent auf einer Art von Beeinflussung, die die Heranwachsenden verlässlich dazu zu bringen im Stande sein soll, den durch die Indoktrination angezielten Inhalt in identischer Weise für sich zu übernehmen. So wird deutlich, dass ein Gegenteil in gewisser Weise an seinen Widerpart gebunden bleibt. Es muss ein Gemeinsames geben, das es erlaubt von Etwas zu sagen, es sei das Gegenteil von einem Anderen. Das Gegenteil ist deshalb nie das schlechterdings andere, insofern es sich in der gleichen Kategorie, der gleichen Dimension, den gleichen Bezügen als das Gegenteil von Etwas erweist.

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Literatur

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Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2007

Authors and Affiliations

  • J. Henning Schluβ
    • 1
  1. 1.Institut für ErziehungswissenschaftenHumboldt-Universität zu BerlinDeutschland

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