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Schlüsselbilder, Bezugsrahmen und Darstellungseffekte. Visuelle Politikvermittlung und politikwissenschaftliche Forschung

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Auszug

Die in den vorangegangenen Abschnitten vorgestellten Untersuchungsergebnisse zeigen, daß im Rahmen der Medienwirkungsforschung mehrere Ebenen benannt werden können, auf denen die Forschungsbereiche Politik und Bild einander berühren. Dabei wurde deutlich, daß von einer gesellschaftlichen Entwicklung, in der bildhafte Kommunikation aus verschiedensten, miteinander verwobenen Gründen an Wichtigkeit gewinnt, ein bedeutender Anpassungsdruck auf den Systembereich Politik ausgeht. Forschungsergebnisse verweisen auf verschiedene Effekte der bildorientierten Informationsvermittlung:
  1. (1)

    Die Wahrnehmung des politischen Systems und der in diesem System geleisteten Arbeit kann in stark auf visueller Vermittlung basierenden Öffentlichkeiten in gewisser Weise als abstrakt beschrieben werden: Sie wird der Komplexität der realen Vorgänge nicht gerecht.

     
  2. (2)

    Die Kategorien, die für die Beurteilung der Leistungen des Systems herangezogen werden, rekurrieren in einem durch Visualisierung geprägten Kommunikationssystem auf Wahrnehmungsdimensionen, die visuell nicht darstellbare Vorgänge weitgehend unberücksichtigt lassen. Die Urteilsbildung zu Sachthemen wird daher vielfach im Zuge einer Einschätzung des persönlichen Verhaltens und der charakterlichen Eigenschaften von Personen getroffen, denen aufgrund medialer Darstellung besondere Bedeutung im Zusammenhang mit den einzelnen Problembereichen zugeschrieben wird. Da die Begegnung mit diesen Personen jedoch wiederum zum allergrößten Teil nur über die Medien und nicht im face-to-face-Kontakt möglich ist, unterliegt diese Einschätzung Einflüssen, die als Wahrnehmungsfilter gesehen werden müssen, da sie bedeutungsverändernd in bezug auf reales Verhalten wirken können.

     
  3. (3)

    Diesen Wahrnehmungsfiltern kommt besondere Bedeutung zu, weil sie meist unerkannt bleiben und in den Ansprüchen, die von modernen Gesellschaften an ihr Mediensystem gestellt werden, nicht erfaßt werden. Dadurch, daß bildhaft vermittelten Nachrichten im Vergleich zu verbal vermittelten Informationen auf mehreren Ebenen ein höheres Wirkpotential zugeschrieben werden kann und daß Informationen, die aus Bildern gewonnen wurden, diejenigen, die aus Texten gewonnen wurden, sogar überlagern können, wird die Relevanz von visuellen Kommunikationsvorgängen zusätzlich gesteigert.

     

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2006

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