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„⋯ ich fühl ‘mich auch gar nicht so als Pädagoge“

Empirisch gestützte Überlegungen zur Qualifikation fiir die Kinder- und Jugendarbeit
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Auszug

Studien zu den sozialpädagogischen Professionellen (vgl. u. a. Heinemeier 1994; Thole/Küster-Schapfl 1997; Ackermann/Seeck 1999; Nagel 1997; Schneider 2004; Schweppe 2002; im Folgenden Thole/Cloos 2000a, b) haben gezeigt, mit welchem Wissen und Können diese ihren beruflichen Alltag abstützen. Folgen wir den vorliegenden Ergebnissen, dann kann Fachlichkeit und Professionalität zumindest aus biografischer Perspektive als eine Figur begriffen werden, die sich nicht erst während der Ausbildung und des Stadiums konstituiert und in der anschlieβenden beruflichen Tätigkeit dann vollends entfaltet. Vielmehr signalisieren die vorliegenden Stadien, dass „die in der Kindheit und Jugend gesammelten Erfahrungen einen vorberuflichen Ressourcen-Pool bereitstellen, auf den bei der Ausgestaltung des beruflichen Alltags zurückgegriffen werden kann“ (Thole/Kuster-Schapfl 1997, S.42). Mehr noch: Biografische Erfahrungen und Idealvorstellungen vom Beruf werden in Erzählungen von Mitarbeiterlnnen der Sozialen Arbeit häufig an die derzeitigen Erfahrungen angekoppelt. Sie bilden damit—mal mehr, mal weniger ausgeprägt—eine konstitative Hintergrundfolie bei der fachlichen Verortang im Berufsfeld. Somit sind die fachlichen Wissens- und Erfahrungsressourcen in den Deutungen der Handelnden vorrangig in lebensweltlichen, biografisch angehäuften und alltagspraktischen Kompetenzen gelagert (vgl. Thole/Kuster-Schapfl 1997, S. 60; Ackermann/Seeck 1999, S. 205). Mit den Erkenntnissen der vorliegenden Stadien ist davon auszugehen, dass bei den Mitarbeiterlnnen die akademische Fachhochschul- und Universitätsausbildung in der sozialpädagogischen Praxis verblasst und erheblich an Relevanz verliert.

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2006

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