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Die kommunikative Video-(Re)Konstruktion1

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Part of the Wissen, Kommunikation und Gesellschaft book series (WISSEN)

Zusammenfassung

Das Konzept der kommunikativen Konstruktion der Wirklichkeit beschreibt einen Aspekt unserer sozialen Handlungen im Alltag besonders genau – aus soziologischer Perspektive den wichtigsten. Wir kommunizieren und schaffen durch unsere Kommunikation in verschiedensten Situationen eine geteilte Wirklichkeit – sei es durch gemeinsame Arbeitsaktivitäten, durch Lehr- und Lernsituationen, oder auch durch (scheinbar) beiläufige Tischgespräche und Small Talk über vergangene Ereignisse. Diese Konstruktionen von Wirklichkeit nehmen wir in verschiedensten Kontexten, vom Alltag bis hin zu Bereichen, in denen Sonderwissen produziert wird, vor. Insbesondere Experten und Professionen (Hitzler, Honer, & Maeder, 1994; Pfadenhauer, 2003) sind mit der Kommunikation über verschiedenste Gegenstände betraut – sie kommunizieren in einer bestimmten Art und Weise über Dinge, geben diesen eine Relevanz und konstruieren in der Gegenwartsgesellschaft das entsprechende Wissen darüber.

Ich möchte mich herzlich bei Theresa Vollmer, René Wilke, Bernt Schnettler sowie Hubert Knoblauch bedanken, die mit ihren kritischen und hilfreichen Kommentaren zu diesem Text beigetragen haben.

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Abbildung 1
Abbildung 2
Abbildung 3
Abbildung 4

Notes

  1. 1.

    Kommunikative Gattungen beschreiben bestimmte institutionalisierte Formen der Kommunikation. Sie erleichtern im Alltag die gegenseitige Abstimmung in Interaktionen. Zum Beispiel Moralpredigten (Ayaß, 1999) stellen eine typische Gattung dar, die empirisch mit der Gattungsanalyse (Knoblauch & Luckmann, 2000) analysiert werden kann. Als Beispiel für die Unterform Rekonstruktive Gattungen wurde der Klatsch (Bergmann, 1987; Luckmann, 1986) genauer untersucht. Aber nicht alle Kommunikationsformen – auch wenn sie mit wiederkehrenden Problemen umgehen, wie etwa der Wissensvermittlung in Powerpoint Präsentationen (Knoblauch, 2008; Schnettler & Knoblauch, 2007) oder die Arbeitskoordination in Meetings – sind so stark gattungsförmig verfestigt.

  2. 2.

    Zur Mathematik siehe auch Kiesow (2012) in diesem Band

  3. 3.

    Vergleiche für einen frühen Vorläufer die Fotographien von Eeadward Muybridge

  4. 4.

    Datensitzungen, so nennen wir eine häufig vorzufindende soziale Situation, in welcher „eine Hand voll“ Teilnehmer gemeinsam ein Video betrachten, gemeinsam Interpretationen entwickeln, Bedeutungen diskutieren oder auch sich gegenseitig etwas aufzeigen. Diese Form findet sich nicht nur, aber vor allem, in der Wissenschaft.

  5. 5.

    Überwachung im klassischen Sinne fällt hier nicht hinein, jedoch sehr wohl die nachträgliche Auswertung bestimmter Aufzeichnungen in diesem Kontext.

  6. 6.

    Die Sequenz wird ebenfalls in Tuma (Tuma, under review) behandelt. Das Datenmaterial stammt von einer Hackerkonferenz und steht frei zugänglich auf verschiedenen Videoportalen im Internet. Die Daten wurden Video-Interaktionsanalytisch ausgewertet.

  7. 7.

    Ziel dieses Aufsatzes ist es nicht eine der Deutungen als richtig oder falsch, gut oder schlecht zu bewerten, sondern das soziologische Interesse liegt bei den verschiedenen Kommunikationsformen die hier sichtbar werden.

  8. 8.

    Die Analyse ist von der Ethnomethodologie inspiriert, geht jedoch nicht davon aus, dass jede Handlung „nur“ situativ Wirkung entfaltet, sondern nimmt das Wissen ernst, sowie dessen objektivierte Formen, die die Handlung situiert einbetten.

  9. 9.

    In diesem Bereich ist im Moment eine (fokussiert-)ethnographische (Knoblauch, 2002) Studie im Gange, die den Umgang mit Video in professionellen Kontexten untersucht. In diesem Fall in einem spezialisierten Marktforschungsunternehmen.

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Tuma, R. (2013). Die kommunikative Video-(Re)Konstruktion1 . In: Keller, R., Reichertz, J., Knoblauch, H. (eds) Kommunikativer Konstruktivismus. Wissen, Kommunikation und Gesellschaft. Springer VS, Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-531-19797-5_16

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