Politische Kultur im Baltikum: Entwicklungsverläufe und innergesellschaftliche Konfliktlinien

  • Sonja Zmerli
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Zusammenfassung

Legitimität und Stabilität demokratischer Regime gründen auf breiter gesellschaftlicher Unterstützung – denn im Unterschied zu autokratischen Systemen gehört es zum Wesen der Demokratie, Gewalt als Mittel der Herrschaftsdurchsetzung zu ächten. Eine wesentliche Voraussetzung politischer Stabilität resultiert aus der Kongruenz zwischen der Struktur eines politischen Systems und der politischen Kultur eines Landes (Almond u. Verba 1963). Während der Begriff der politischen Kultur zunächst grundsätzlich die gesellschaftliche Summe und Verteilung aller individuellen Einstellungen zu politischen Objekten beschreibt und damit wertneutral ist, werden an die politische Kultur eines demokratischen Staates konkrete Erwartungen geknüpft, die dessen Stabilität, Effektivität und Legitimität gewährleisten sollen. Dabei zeichnet sich die sogenannte „Civic Culture“ oder auch Staatsbürgerkultur durch politisch interessierte und kenntnisreiche Bürger aus, die sich dem demokratischen politischen System verbunden fühlen, demokratische Wertorientierungen verinnerlichen und befähigt und willens sind, politische Entscheidungsprozesse aktiv mitzugestalten. Wie zahlreiche empirische Untersuchungen jedoch belegen, wird dieser Anspruch des skizzierten Idealtypus einer Staatsbürgerkultur selbst in langjährig etablierten demokratischen Gesellschaften nur in Teilen eingelöst. Hinzu kommt, dass politische Einstellungen zeitliche Wandlungsprozesse durchlaufen, die als Spiegel der Entwicklungen institutioneller und wirtschaftlicher Performanz erscheinen.

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Literartur

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften | Springer Fachmedien Wiesbaden 2012

Authors and Affiliations

  • Sonja Zmerli
    • 1
  1. 1.Technischen Universität DarmstadtDarmstadtDeutschland

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