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Hans Jörg Rheinberger: Experimentalsysteme und epistemische Dinge

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Schlüsselwerke der Science & Technology Studies

Zusammenfassung

Seit den Laborstudien in den 1970ern gerät die Produktion von Wahrheit und wissenschaftlichen Fakten zunehmend in den Fokus gesellschaftswissenschaftlicher und wissenschaftshistorischer Forschung. Neben der apparativen und der experimentellen Seite des Forschungsprozesses werden hier die komplexen Bedingungen der Konstruktion der wissenschaftlichen Gegenstände und Phänomene in den Experimenten selbst thematisiert. Die Laborstudien warfen gleich mehrere Fragen auf: Wenn der Gegenstand des Experiments erst im Experiment durch das Handeln der ForscherInnen hervorgebracht wird, was ist dann der epistemische Status des Experiments? Wie kann das Experiment zur Entdeckung neuer wissenschaftlicher Tatsachen führen, wenn es derart von den Theorien und dem Handeln der ForscherInnen überformt ist? Und schließlich: Ist die Physik der beste Modellgegenstand für die Wissenschaftstheorie? In seinem bisherigen Hauptwerk Experimentalsysteme und epistemische Dinge schlägt Hans-Jörg Rheinberger Antworten auf diese Fragen vor, denen in diesem Beitrag nachgegangen wird.

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Notes

  1. 1.

    Vgl. hierzu die Beiträge von Van Loon und Kirschner i. d. Bd.

  2. 2.

    Vgl. zum Verhältnis von Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsforschung den Beitrag von Greif i. d. Bd.

  3. 3.

    Vgl. hierzu den Beitrag von Wulz i. d. Bd.

  4. 4.

    Der Begriff der Pragmatogonie wurde von Michel Serres (1987) geprägt. Bruno Latour (1998) griff den Begriff später auf, um damit David Bloors (1991) Symmetrieprinzip auf die Relation zwischen Menschen und Nichtmenschen zu verallgemeinern. Etymologisch setzt sich der Begriff aus den griechischen Wörtern pragma (Ding, Sache) und gonos (entstanden) zusammen und könnte etwa übersetzt werden mit „was aus der Sache/Tat entstanden ist“ (vgl. de Beer 2010, S. 6). Die Pragmatogonie sei als Beschreibung eines Prozesses notwendig eine frei erfundene Erzählung. Sie beschreibe, wie durch eine Reihe von Substitutionen eine rein soziale Sache zunehmend immer mehr „Objekte“ benötige, um die soziale Sache zusammenzuhalten. In der Pragmatogonie werde die Perspektive des Objekts eingenommen, um zu zeigen, wie es ein Kollektiv zusammenhalte (vgl. Latour 1990, S. 74–75). In seiner Pragmatogonie des Soziotechnischen stellt Latour (1994) dar, wie durch die Übertragung menschlicher Tätigkeiten auf Nichtmenschen, die Reichweite sozialer Beziehungen zeitlich und räumlich erweitert worden sei. Wenn Rheinberger seinen Ansatz als Pragmatogonie bezeichnet, verbindet er damit zwei Ansprüche: Er nimmt die Perspektive der Dinge ein, um zu zeigen, welche Wirkung sie auf die Erkenntnis der WissenschaftlerInnen haben. Zum anderen zeigt er, wie die Experimentalsysteme sowie die epistemischen und technischen Dinge in actu zur Bildung von wissenschaftlichen Kollektiven beitragen.

  5. 5.

    Nach dem Abschluss seines Magisterstudiums der Philosophie, Soziologie, Linguistik und Biochemie in Tübingen 1973, diplomierte Rheinberger in Biologie und Chemie in Berlin, promovierte 1982 und habilitierte schließlich 1987 in Molekularbiologie. Zwischen 1982 und 1990 war er Forschungsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für Molekularbiologie bevor sich sein Forschungsinteresse zunehmend der Wissenschaftsgeschichte zuwendete. 1997 wurde er schließlich zum Direktor des Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte.

  6. 6.

    Zusammen mit Hanns Zischler übertrug Rheinberger Derridas Grammatologie ins Deutsche.

  7. 7.

    Zum Werk Ian Hackings vgl. Hofmann i. d. Bd.

  8. 8.

    Zur Akteur-Netzwerk-Theorie vgl. die Beiträge von Van Loon i. d. Bd.

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Hall, K. (2014). Hans Jörg Rheinberger: Experimentalsysteme und epistemische Dinge. In: Lengersdorf, D., Wieser, M. (eds) Schlüsselwerke der Science & Technology Studies. Springer VS, Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-531-19455-4_18

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