Zwischen den Gipfeln ist Ruh’: Zur politischen Kommunikation im Mehrebenensystem der Europäischen Union

  • Claudia K. Huber
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Part of the Politik als Beruf book series (POB)

Zusammenfassung

Während die Klage über die Flaute in der EU-Berichterstattung inzwischen so routiniert ist wie die Klage über das Wetter, kann im Rahmen von europäischen Gipfeltreffen von einem Mangel an Medienaufmerksamkeit keine Rede sein: Medien produzieren geradezu einen Hype um die Treffen der europäischen Führungselite in Brüssel.

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Literatur

  1. 1.
    Um die Dynamik zwischen Journalisten und politischen Sprechern im Rahmen von Gipfeln des Europäischen Rats zu analysieren, wurden 51 Interviews mit Journalisten und politischen Sprechern aus Deutschland, Finnland und Österreich geführt. Alle Zitate im folgenden Text gehen auf diese Erhebung zurück. Zudem wurden Beobachtungen – unter anderem im Rahmen eines Treffens des Europäischen Rats – durchgeführt. Für detaillierte Angaben zur Untersuchungsmethode und zum Hintergrund der Studie siehe: Huber, Claudia K.: Zwischen Routine, Ratspräsidentschaft und Gipfel: Interaktionen von Medien und Politik in der Europäischen Union, Wiesbaden 2012.Google Scholar
  2. 2.
    Dazu etwa: Machill, Marcel / Beiler, Markus / Fischer, Corinna: Europe-Topics in Europe’s Media: The Debate about the European Public Sphere: A Meta-Analysis of Media Content Analyses, in: European Journal of Communication, 21/1 (2006), S. 57-88, hier: S. 57.Google Scholar
  3. 3.
    Peter, Jochen / de Vreese, Claes H.: In Search of Europe: A Cross-National Comparative Study of the European Union in National Television News, in: The Harvard International Journal of Press / Politics, 9/4 (2004), S. 3-24, hier: S. 6.Google Scholar
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    Der Begriff des Mehrebenensystems wird für politische Systeme angewandt, „die mehrere (mindestens zwei) hierarchisch angeordnete Ebenen autonomer territorialer Jurisdiktionen umfassen“ – Holzinger, Katharina: Mehrebenensystem, in: Nohlen, Dieter / Grotz, Florian (Hrsg.): Kleines Lexikon der Politik, München 2007, S. 321-322, hier: S. 321. Der Begriff findet häufig im Zusammenhang mit der EU Anwendung. Für die politische Kommunikation wird er auch dann relevant, wenn es um die „Möglichkeiten des Verschiebens von polit. Verantwortung zwischen den Ebenen“ (ebd.) geht.Google Scholar
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    Dazu: Gerhards, Jürgen / Offerhaus, Anke / Roose, Jochen: Wer ist verantwortlich? Die Europäische Union, ihre Nationalstaaten und die massenmediale Attribution von Verantwortung für Erfolge und Misserfolge, in: Pfetsch, Barbara / Marcinkowski, Frank (Hrsg.): Politik in der Mediendemokratie, Wiesbaden 2009, S. 529-558, hier: S. 553.Google Scholar
  6. 6.
    Hier bezieht sich die Journalistin auf die Antici-Gruppe, die in Routinephasen einmal wöchentlich tagt, um die Sitzungen des Ausschusses der Ständigen Vertreter der Mitgliedsstaaten vorzubereiten. Die Antici übernehmen eine Frühwarnfunktion und tauschen sich innerhalb der Gruppe frühzeitig über die Positionen der Mitgliedsstaaten aus – Wessels, Wolfgang: Die Öffnung des Staates: Modelle und Wirklichkeit grenzüberschreitender Verwaltungspraxis 1960-1995, Opladen 2000, S. 215. Wessels nennt sie „eine Gruppe von Beamten des Vertrauens der Ständigen Vertreter“ (ebd.). Die Antici spielen bei Europäischen Räten eine besondere Rolle, weil sie als einzige Beamte den Sitzungssaal betreten dürfen „und als ‚Boten‘ zwischen den Regierungschefs und den außerhalb des Sitzungssaals wartenden Expertengruppen fungieren“ (ebd.). Zur Funktion von Antici bei Europäischen Räten siehe auch: Werts, Jan: The European Council, London 2008, S. 76.Google Scholar
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    Cornia, Alessio / Lönnendonker, Julia / Nitz, Pia: European Councils as first encounters of trans-European media communication?, in: Journalism, 9/4 (2008), 493-515, hier: S. 498.Google Scholar
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    Medialisierung ist die von der Ausgestaltung der Beziehung zwischen Medien und Politik abhängige Reaktion politischer Akteure auf die Medienlogik, die in unterschiedlichen Handlungsräumen (politische Systeme, Ebenen und Institutionen) sowie zu unterschiedlichen Zeitpunkten des politischen Prozesses variieren kann und die wiederum auch Folgen für journalistische Verhaltensweisen hat. Zur Entwicklung des Begriffs siehe: Huber: Zwischen Routine, Ratspräsidentschaft und Gipfel, S. 79ff.Google Scholar
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    Esser, Frank: Metaberichterstattung: Medienselbstthematisierung und Publicity-Thematisierung in amerikanischen, britischen und deutschen Wahlkämpfen, in: Melischek, Gabriele / Seethaler, Josef / Wilke, Jürgen (Hrsg.): Medien und Kommunikationsforschung im Vergleich, Wiesbaden 2008, S. 121-156, hier: S. 123ff.Google Scholar
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    Gack, Thomas / Meier, Albrecht: Die Nacht von Brüssel: Ein Strohmann ohne Entscheidungsvollmacht, ein guter und ein böser Bube – und eine entscheidende Drohung, die sehr riskant war, Der Tagesspiegel Sonntag vom 24. Juni 2007, S. 3. Die Darstellung von Medieninhalten erfolgt hier zur Verdeutlichung von Strategien in der Berichterstattung rein exemplarisch. Dieser Arbeit liegt keine systematische Medieninhaltsanalyse zugrunde. Es handelt sich also um sehr selektive Einblicke in die Berichterstattung.Google Scholar
  12. 12.
    Crolly, Hannelore / Schiltz, Christoph B.: Das Ende der Geduld: Merkel legt beim Gipfel in Brüssel härtere Gangart ein – EU einigt sich auf ‚Hohen Repräsentanten‘, Berliner Morgenpost vom 23. Juni 2007, S. 4.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2013

Authors and Affiliations

  • Claudia K. Huber
    • 1
  1. 1.BerlinDeutschland

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