Plotin: Hieroglyphische Poetik

  • Ulrich Gaier

Zussamenfassung

Plotinos lebte von 203/04 bis 269/270; sein Schüler Porphyrios sammelte seine Werke und ordnete sie aus Gründen der Zahlenharmonie in »Enneaden«, Neunheiten, denen er eine Biographie voranstellte. Da der Philosoph als vollkommener, dem Göttlichen sich nähernder Weiser seinen Leib und dessen zeiträumliche Umstände nur wie der Musiker sein Instrument betrachtet, das zwar funktionsfähig zu halten, aber nicht der Rede wert ist (I 4, 16, 20–24)1, teilte Plotin nichts über Herkunft und Familie mit. Es lässt sich erschließen, dass er trotz der von ihm verwendeten griechischen Sprache einer hochrangigen römischen Familie angehörte, »beste Beziehungen zum senatorischen Adel« pflegte und selbst »Angehöriger des Senatorenstandes« war.2 Wichtiger ist ihm sein Lehrer Ammonios in Alexandria, der nur mündlich lehrte und in dessen Geist Plotin ein neues Platon-Verständnis gewann, das er systematisch ausbaute und so zum Begründer des für die abendländische Philosophie unschätzbar bedeutenden Neuplatonismus wurde. Auch er lehrte zunächst nur mündlich und schrieb in den sechzehn Jahren vor seinem Tod ohne systematischen Anspruch in verschiedenen Textsorten von der Notiz bis zu »umfangreichen und sorgfältig ausgearbeiteten Vortragsreihen« nieder, was Porphyrios trotz seiner Kenntnis der chronologischen Reihenfolge der Schriften 31 Jahre nach Plotins Tod thematisch geordnet herausgab. Wegen seiner engen Beziehungen zu dem gestürzten Kaiser Gallienus und seiner Familie musste Plotin 268 Rom verlassen, wo er in seinem Privathaus gelehrt hatte, und starb auf einem Landgut in Kampanien nach schwerer Krankheit im Alter von 66 Jahren. Das Orakel in Delphi bestätigte, seine Seele sei unter die Götter aufgenommen worden. »In Plotins eigene Begriffe übersetzt heißt das: sie steigt auf zur rein intellektuellen Anschauung des göttlichen Geistes und geht unter Bewahrung ihrer individuellen Identität in ihn ein.«3

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Authors and Affiliations

  • Ulrich Gaier
    • 1
  1. 1.Universität KonstanzKonstanz

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