Platon: Theorien der Poesie und der Literatur

  • Ulrich Gaier

Zussamenfassung

Ein eklatanter Widerspruch in den Schriften Platons (427–347 v. Chr.) hat schon antike Autoren beschäftigt: Der Philosoph verbannt die Dichter aus dem Idealstaat, tut dies aber in einer Schrift, die er selbst im Phaidros (276b, 278bc) als literarisches Spielwerk betrachtet und die mit seinen übrigen Dialogen von Aristoteles bis hin zu den Neuplatonikern Plotin und Proklos als Dichtung angesehen wird. Unmissverständlich bezeichnet Aristoteles (Poet 1447b) das sokratische Gespräch als Dichtkunst, die durch ihre Dialogprosa mit dem dramatischen Mimus verwandt sei; Marsilio Ficino berichtet, die vier nachplatonischen Akademien vor Plotin und Proklos seien übereinstimmend der Meinung gewesen, Platons Schriften seien gänzlich poetisch, Differenzen habe es nur hinsichtlich der Auslegung gegeben.1 Platon ist ein so guter und erfolgreicher Dichter, argumentiert Proklos, dass man ihn zusammen mit Homer aus seinem eigenen Idealstaat vertreiben müsste (In Remp. 161, 10 f.). Der Sinn der poetischen Form, die Platon durchaus vermeiden kann, wie die Briefe zeigen, scheint mir bei den Dialogen in der anthropologisch integrativen Leistung poetischer Rede zu liegen, die er theoretisch erarbeitet und in der Praxis der Dialoge leistet.

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Authors and Affiliations

  • Ulrich Gaier
    • 1
  1. 1.Universität KonstanzKonstanz

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