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Zussamenfassung

Die Linie derer, die die Schöpfungshieroglyphe verwendet haben, ließe im Bereich des Bildungsromans verlängern von Wielands Geschichte des Agathon über Goethes Wilhelm Meisters Lehrjahre, Hölderlins Hyperion, Novalis’ Heinrich von Ofterdingen bis zu Thomas Manns Zauberberg und Günter Grass’ Blechtrommel und das heißt bis zur politisch skeptischen und parodistischen Verwendung. Die Struktur und die Funktion der einzelnen Teile bleibt, aber die anthropologische Zuversicht, am Ende der Bildung wirklich einen neuen Menschen gebildet zu haben, schwindet seit der Chymischen Hochzeit (1716) Johann Valentin Andreaes immer mehr: Wilhelm Meisters Lehrjahre enden ironisch, Wielands Agathon mit einer erst noch zu absolvierenden Bildungs- und Weltreise, Hölderlins Hyperion mit »Nächstens mehr!«, der Zauberberg im 1. Weltkrieg, die Blechtrommel mit der grotesken Allegorie einer deutschen Nation nach dem 2. Weltkrieg, die im Anstaltsbett liegt und erst auf dem Weg ist erwachsen zu werden. Hoffnung?! Anthropologisch ist Musil mit dem Mann ohne Eigenschaften weiter als Grass, wie in der Einleitung des vorliegenden Bandes sicher deutlich wurde, und sein Roman ohne Eigenschaften lässt sich unter vielen anderen Möglichkeiten auch als Bildungsroman lesen. Dies alles auszuführen ist angesichts der notwendigen räumlichen Beschränkung nicht möglich. Mit dem anthropologischen und poetischen »Ur-ei« der Dichtung wird es aber gelingen, wenigstens andeutungsweise die Lücke zwischen der Zeit um 1800 und um 2000 zu schließen.

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2017

Authors and Affiliations

  • Ulrich Gaier
    • 1
  1. 1.Universität KonstanzKonstanz

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