Emblematik: Befreiende Kunst und Dichtung

  • Ulrich Gaier

Zussamenfassung

Der Name Emblem kommt von griech. emblema, dem in die Eisenspitze hineingesteckten Teil des Lanzenschaftes, und dieses Wort kommt von emballein, hineinwerfen, hineinstoßen etc.; bei dem Holz in der Lanzenspitze ist klar, dass es sich um zwei verschiedene ineinandergefügte Materialien handelt, weshalb im Lateinischen emblema eine Einlegearbeit; Intarsie, ein Relief, Mosaik, und embolium ein Zwischenspiel, Intermezzo in einem Theaterstück bezeichnet. Immer kommt es also auf die kunstvolle Verbindung verschiedener Materialien an, ein Phänomen, das wir bei Sebastian Brant in der kunstvollen Verbindung von Motto, Holzschnitt und Kapitel gesehen haben. Wenn man Gott als Künstler versteht, wie wir das seit Empedokles und Platon (z.B. Ion) beobachten und wie viele nach ihnen zur Verteidigung der lügenden Dichter und Künstler behauptet haben, so ist die Welt aus Himmel und Erde, Geist und Materie, Energie und Ordnung selbst ein emblematisches Kunstwerk, oder der Mensch mit Körper, Seele und Geist ein kunstvoll ineinandergefügtes, immer vom Zerfall bedrohtes Wesen. Schon daraus ist es verständlich, warum sich Menschen immer mit Auseinandernehmen und Zusammenfügen beschäftigt haben, warum wir heute neue Materialien und künstliche Wesen machen – aber schon die Schrift verbindet ja das geritzte, geprägte, beschriebene Material mit dem Sinn, eine Kombination, die bis ins Religiöse reichende Bedeutung haben konnte: »War es ein Gott, der diese Zeichen schrieb?« (Faust V. 434)

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Authors and Affiliations

  • Ulrich Gaier
    • 1
  1. 1.Universität KonstanzKonstanz

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