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Risikobeurteilung/Risikoethik

  • Johann Schulenburg
  • Julian Nida-Rümelin

Zusammenfassung

In der Auseinandersetzung mit Risiken (s. Kap. II.2) können grundsätzlich drei Phasen unterschieden werden: Risikoidentifikation (Risk Characterisation), Risikobewertung (Risk Analysis) und Risikobeurteilung (Risk Assessment). In der ersten Phase der Risikoidentifikation geht es um die Frage ›Was ist ein Risiko?‹ bzw. ›Welche Situationen sind als risikobehaftet zu betrachten?‹. Die zweite Phase der Risikobewertung ist durch zwei Fragen gekennzeichnet, die (zumindest implizit) unterschiedliches Gewicht entweder auf die Wahrscheinlichkeitsoder auf die Schadenskomponente von Risikosituationen legen: zum einen die Frage ›Wie hoch ist das Risiko?‹ (Fokus auf Wahrscheinlichkeiten), zum anderen die Frage ›Wie groß ist das Risiko?‹ (Fokus auf potentielle Schäden). In der dritten Phase der Risikobeurteilung geht es um normative Aspekte: Ist ein zuvor identifiziertes und bewertetes Risiko vertretbar bzw. ist es akzeptabel? Während die Frage nach der Vertretbarkeit von Risiken dabei — wiederum implizit — eher auf die pragmatische Dimension der Risikobeurteilung z. B. in ökonomischen Kontexten zielt, betont die Frage nach der Akzeptabilität von Risiken stärker die ethische Dimension von Risikobeurteilungen.

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Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2013

Authors and Affiliations

  • Johann Schulenburg
  • Julian Nida-Rümelin

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