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Mythendekonstruktion

  • Uta Degner

Zusammenfassung

Das Verfahren der Mythendekonstruktion mit seinen unterschiedlichen Gegenstandsbereichen — Natur, Kunst, Liebe, Sexualität, die Unschuld Österreichs, Familie, gesellschaftliche Gleichheit — zählt zu den zentralen Charakteristika der Ästhetik Jelineks, ja gilt gar als Schlüssel für ihr Gesamtwerk (vgl. Janz) und ist, seinem Stellenwert entsprechend, eines der besterforschten Felder innerhalb der Jelinek-Forschung. Wenn sich auch bereits das frühe Prosawerk, die Texte wir sind lockvögel baby! und bukolit als eine Dekonstruktion von modernen Mythen der Unterhaltungskultur lesen lassen, so ist eine terminologische Benennung und poetologische Reflexion des Verfahrens erst ab 1970 mit der Rezeption von Roland Barthes ’ Mythen des Alltags (franz. Orig. Mythologies 1957; dt. Teilübersetzung 1964) in Jelineks Essay Die endlose Unschuldigkeit nachzuweisen. Der Einfluss von Barthes ’ Studie kann Janz zufolge »für das gesamte Werk Jelineks und sein Verfahren der Mythendestruktion […] gar nicht überschätzt werden.«

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Literatur

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Authors and Affiliations

  • Uta Degner

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