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Untote

  • Moira Mertens

Zusammenfassung

Jelineks Texte gewinnen ihre Energie aus der Anstrengung, das gesellschaftlich Verdrängte, das immer wieder als untotes Relikt an die Oberfläche steigt, zu erinnern. Der Wunsch, das Unsagbare und Unheimliche sprachlich aus dem Vergessen herauszulösen, begleitet Jelineks literarischen Einsatz gegen ein Nachleben des Faschismus und v. a. für eine fortzusetzende Aufarbeitung des Holocaust. Dafür ruft sie die Toten zu einem Wiedergang auf, inszeniert sie als libidinös aufgeladene, häufig verwesende Untote und schiebt ihnen ein »fremdes Sagen« (SI, S. 9), also ein zitierendes, entindividualisiertes Sprechen, unter. Einzeln, als monströse Doppelgeschöpfe oder in der Masse bringen die Untoten den Schrecken in die Textgegenwart. Neben dem Phantasma der Untoten lauern in Jelineks Texten jedoch Hinweise auf organisch-un/tote Relikte, die offensichtlich Zeugnisse brutaler Gewalt oder aber des rationell-technischen Umgangs mit dem menschlichen Leben sind.

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Authors and Affiliations

  • Moira Mertens

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