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Nationalsozialismus

  • Gerhard Scheit

Zusammenfassung

Es gehört zu den Gemeinplätzen von Literaturkritik und Literaturwissenschaft, dass sich das Thema der nationalsozialistischen Vergangenheit wie ein roter Faden durch das Werk von Elfriede Jelinek ziehe. Aber als Thema aufgefasst, erscheint es schon verfehlt: Die Eigenart ihrer Romane und Stücke, ebenso wie der vielen kleineren, oft als Interventionen formulierten Prosatexte und Essays (vgl. z. B. auf ihrer Homepage: Im Reich der Vergangenheit; Österreich. Ein deutsches Märchen; Das weibliche Nicht-Opfer. Frauen im KZ; Kitschliesl. Zum Tod Leni Riefenstahls am 8.9.03; Schamlos: die Zeit), liegt in der Entgrenzung und Diffusion dessen, was mit dem Begriff Vergangenheit isoliert und eingehegt werden soll. Während ringsum deren »Bewältigung« angemahnt wird, mit dem pädagogischen Fingerzeig, dass sonst auch die Zukunft nicht bewältigt werden könne, verdeutlicht die literarische Form, die diese Autorin sukzessive entwickelt hat, dass es in einem bestimmten Sinn gar keine Vergangenheit mehr gibt, weil die Trennung zwischen ihr und der Gegenwart unmöglich geworden scheint: die Wahrheit einer Gesellschaft, die auf den Resultaten des Nationalsozialismus gründet.

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Literatur

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  • Gerhard Scheit

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