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Biographische Aspekte und künstlerische Kontexte

  • Uta Degner

Zusammenfassung

Die »biographische Illusion« (Bourdieu 1998, S. 75) präsentiert uns Lebensgeschichten als »eine kohärente und gerichtete Gesamtheit«, »als einheitliche[n] Ausdruck einer subjektiven und objektiven ›Intention‹, eines ›Entwurfs‹« (ebd., S. 75). Eine solche Fiktion von Lebensgeschichte wird freilich nicht zufällig zeitgleich mit der Abwendung vom linearen Erzählen im modernen Roman fragwürdig (vgl. ebd., S. 76–77) und zeigt sich zumal bei einer so hochgradig reflektierten Autorin wie Elfriede Jelinek als immer schon gebrochen bzw. artifiziell (vgl. Löffler 2007). Gerade die Einsicht in den Konstruktionscharakter der Biographie lässt diese freilich zu einem Gegenstand ästhetischer Praxis werden, sodass auch autobiographische Zeugnisse und Äußerungen als Teil einer künstlerischen »posture« (Meizoz 2005, S. 177) zu behandeln sind und auf ihre sozialen und ästhetischen Voraussetzungen zu befragen wären. Die Analogie von fiktionaler Geschichte und Lebensgeschichte mag suggerieren, dass beide umstandslos aufeinander zu beziehen sind.

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Authors and Affiliations

  • Uta Degner

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