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„Reinheit der Empfindung“: Heinrich Heine in den Vertonungen von Robert Franz

  • Sonja Gesse-Harm
Part of the Heine-Studien book series (HEINEST)

Zusammenfassung

Obgleich die 68 Heine-Lieder Robert Franz’ kaum jemals die Popularität erreicht haben wie etwa die sechs Heine-Vertonungen Franz Schuberts, so geben sie vor dem liedgeschichtlichen Hintergrund des 19. Jahrhunderts, vor dem sich Franz als eine ungewöhnliche und gar schon verschroben wirkende Komponistenpersönlichkeit abhebt, doch einen weiteren, ganz eigenwilligen Blick auf die Lyrik jenes Dichters frei. Schätzte Schubert an Heines Versen die Dialektik von Ideal und Wirklichkeit, Schumann das Bizarr-Romantische, Mendelssohn das Volkstümlich-Stimmungsvolle und Märchenhaft-Wunderbare, tendierten Meyerbeer, Liszt und Vesque von Püttlingen zum Salonhaft-Dramatischen, so konzentrierte sich Franz ganz auf das unmittelbare, lyrisch-naive Moment in Heines Gedichten. „Wenn wir Franz singen“, so schreibt Hermann v. d. Pfordten rund zwanzig Jahre nach Franz’ Tod mit dem für die Zeit so typischen nationalistischen Pathos,

mit ehrlicher Hingebung, mit kindlicher Innigkeit und gläubigem Vertrauen, dann muß der Segen, den er selbst empfangen hat, auf uns überströmen. Neu geweiht müssen wir uns fühlen zu echter Poesie […]. Seine Lieder werden leben, so lange deutsche Art besteht; sie sind ein Edelgut, das wir nicht missen mögen und dessen Herrlichkeit wir künden wollen, bis sie sich allen erschließt, die ihrer wert sind.2 […] Es ist deutsche Größe, die er kündet, deutsche Tugend, die er predigt, hoffentlich nicht tauben Ohren und Herzen.3

Anmerkungen

  1. 6.
    Robert Bethge: Robert Franz. Ein Lebensbild. Vortrag auf dem Robert Franz-Abend des Volksbildungsvereins zu Halle a. S. am 24. Oktober 1907, Halle a. d. Saale 1908, S. 26Google Scholar
  2. 7.
    Brief von Franz an Selmar Bagge vom 25.3.1860 (Konrad Sasse: Beiträge zur Forschung über Robert Franz unter besonderer Berücksichtigung seiner gesellschaftlichen Stellung und der Erschließung dokumentarischen Materials, 3 Bde., (Masch. Diss.), Halle a. d. Saale 1962, Anlage I (= Bd. 2), o. S.).Google Scholar
  3. 9.
    Oe. von Hazay: Gesang, seine Entwicklung und in II. Auflage „Wertvollste Lieder der deutschen, französischen, italienischen, englischen und russisch-deutschen Gesangs-Literatur“, Leipzig 1912, S. 292; hier zitiert nach Günter Metzner: Heine in der Musik, Bd. 1, S. 14.Google Scholar
  4. 12.
    Brief Richard Wagners an Franz vom 23.9.1853 (Richard Wagner: Sämtliche Briefe. Hg. im Auftrage der Richard-Wagner-Stiftung Bayreuth von Gertrud Strobel (†) und Werner Wolf, Bd. 5, Leipzig 1993, S. 436).Google Scholar
  5. 13.
    Robert Schumann: Lieder (NZfM 19/9 (1843), S. 35).Google Scholar
  6. 22.
    Joachim Draheim: Robert Franz und Robert Schumann – Aspekte einer schwierigen Beziehung, in: Konstanze Musketa (Hg.): Robert Franz (1815–1892): Bericht über die wissenschaftliche Konferenz anläßlich seines 100. Todestages am 23. und 24. Oktober 1992 in Halle/Saale, hg. vom Händel-Haus durch Konstanze Musketa unter Mitarbeit von Götz Traxdorf, Halle a. d. Saale 1993 (Schriften des Händel-Hauses in Halle; 9), S. 187.Google Scholar
  7. 43.
    Johann Gottfried Herder: Auszug aus einem Briefwechsel über Oßian und die Lieder alter Völker, in: Herders Sämmtliche Werke, hg. von Bernhard Suphan, Bd. 5, Berlin 1891, S. 206.Google Scholar
  8. 84.
    Richard Wagner: Mein Leben, hg. von Martin Gregor-Dellin, München 1963, S. 642.Google Scholar
  9. 93.
    Vgl. hierzu auch Heinrich W. Schwab: Von der Forderung, „das Einzelne der Gesammtstimmung unterzuordnen“. Beobachtungen zu Heine-Vertonungen von Robert Franz, in: Konstanze Musketa (Hg.): Robert Franz (1815–1892). Bericht über die wissenschaftliche Konferenz anläßlich seines 100. Todestages am 23. und 24. Oktober 1992 in Halle/Saale, hg. vom Händel-Haus durch Konstanze Musketa unter Mitarbeit von Götz Traxdorf, Halle a. d. Saale 1993 (Schriften des Händel-Hauses in Halle; 9), S. 62.Google Scholar
  10. 115.
    Rudolph Procházka: Aus den Jugendjahren von Robert Franz (NZfM 100/6 (1904), S. 95).Google Scholar
  11. 142.
    Da um 1851 keine weiteren Franz-Liederhefte bei Kistner erschienen sind und das Folgeheft op. 16 bei Siegel nachweislich 1852 publiziert worden ist (vgl. Brief von Robert Franz an Franz Liszt vom 23.5.1852, in: Konrad Sasse: Beiträge zur Forschung über Robert Franz, Anlage I, o. S.), kann es sich bei besagtem Manuskript nur um op. 14 handeln (hinter op. 15 verbirgt sich ein „Kyrie a Capella für 4 Chor- und Solostimmen“; s. William Kenneth Gaeddert: Robert Franz. A Biographical and Critical Study, Phil. Diss. University of Iowa 1976, Ann Arbor 1977, S. 396. Vgl. dazu auch Joseph M. Boonin: An index to the solo songs of Robert Franz, S. 4).Google Scholar
  12. 173.
    Siehe Konrad Sasse: Beiträge zur Forschung über Robert Franz 1815–1892, bearbeitet und herausgegeben von Edwin Werner, Halle a. d. Saale 1986 (Schriften des Händel-Hauses in Halle; 4), S. 33.Google Scholar
  13. 174.
    Die Vermutung stützt sich auf die Tatsache, daß die Liedersammlung op. 9 erst im April 1848 in der Neuen Zeitschrift für Musik rezensiert worden ist (s. E. Klitzsch: Lieder und Gesänge mit Pianoforte, in: NZfM 28/35 (1848), S. 213f.).Google Scholar
  14. 177.
    Vgl. dazu auch Edward Glen Hull: A study of comparative settings by Robert Franz and Robert Schumann taken from Heinrich Heine’s Buch der Lieder, Diss. Memphis State University 1984, S. 64.Google Scholar
  15. 182.
    Walter Dürr: Das deutsche Sololied im 19. Jahrhundert, Wilhelmshaven 1984, S. 168.Google Scholar
  16. 187.
    Manfred Windfuhr: Heine und der Petrarkismus. Zur Konzeption seiner Liebeslyrik, in: Jahrbuch der Deutschen Schillergesellschaft 10 (1966), S. 268. Siehe dazu auch das Kapitel „Zur Lyrik Heinrich Heines“.Google Scholar
  17. 190.
    August Wilhelm Ambras: Robert Franz, in: Bunte Blätter. Skizzen und Studien für Freunde der Musik und der bildenden Kunst, Leipzig 1872, S. 311.Google Scholar
  18. 206.
    Ebd. Siehe dazu auch bereits Georg Bieri: Die Lieder von Hugo Wolf, Bern / Leipzig 1935, S. 83. Bezugnehmend auf die „Deklamationskunst“ Hugo Wolfs stellt der Autor zu Franz’ Meerfahrt op. 18, 4 fest: „Der Komponist hat den Akzent auf ‘trost-’ herausgespürt“.Google Scholar
  19. 209.
    Siehe Rudolph Procházka: Robert Franz, S. 85, sowie NZfM 56/18 (1862), S. 144. Vgl. aber auch Günter Metzner: Heine in der Musik, Bd. 11, S. 205. Metzner datiert hier auf 1866, gibt damit vermutlich aber einen terminus ante quem an.Google Scholar
  20. 219.
    Karl Kerényi: Die Mythologie der Griechen, Bd. 1, München 71984, S. 63.Google Scholar
  21. 241.
    Brief von Robert Franz an Julius Schäffer [Ende Januar 1853]; hier zitiert nach Rudolph Prochâzka: Robert Franz. Zu dem zehnten Jahrestage seines Todes, in: Die Musik 2/2 (1902), S. 98.Google Scholar

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  • Sonja Gesse-Harm

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