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Dramatik im „verjüngten Maaßstabe der kleinen Form“: Heines Lyrik in den Vertonungen Giacomo Meyerbeers

  • Sonja Gesse-Harm
Part of the Heine-Studien book series (HEINEST)

Zusammenfassung

Als Heinrich Heine im Mai 1831 ins Pariser Exil ging, traf er dort auf eine der prominentesten Figuren in der Operngeschichte des 19. Jahrhunderts, auf Giacomo Meyerbeer. Hatte dieser nach Vermittlung Gioacchino Rossinis bereits 1825 mit der Aufführung seiner Oper Il crociato in Egitto2 einen ersten großen Erfolg im Pariser Théâtre Italien gefeiert,3 so gelangte er mit der Oper Robert le diable, die im November 1831, also exakt ein halbes Jahr nach Heines Übersiedlung in die französische Hauptstadt, uraufgeführt wurde, sowie mit der Oper Les Huguenots von 1836 endgültig zu Weltruhm. Etwas aus damaliger deutscher Sicht Unglaubliches war geschehen: Paris, „Mittelpunkt europäischer Kultur und europäischen Geschmacks“,4 eine Weltstadt, in der die intellektuellen Größen Europas lebten und wirkten und die Kulturkreise verschiedenster Nationalitäten miteinander verschmolzen, Paris feierte Meyerbeer, den deutschen Juden aus Berlin. Die elegante, große Welt der Pariser Salons stand ihm offen, und er, der seit seiner Kindheit aufgrund seines wohlhabenden Elternhauses den Umgang mit Berühmtheiten und Staatsmännern gewöhnt war — wenn auch nur im vergleichsweise bescheidenen Rahmen Berlins5 —, genoß die künstlerische Freiheit, die ihm die geheime Hauptstadt Europas im Gegensatz zur preußischen gewährte. Meyerbeer war, um es lax zu formulieren, ein ‘Superstar’ des 19. Jahrhunderts, und wie jeder ‘Superstar’ besaß er nicht nur Ruhm, sondern auch Geld, wurde er gefeiert und gehaßt. Heinrich Heine, den — wie aus einem reichen Briefwechsel zwischen diesen beiden Künstlern hervorgeht — eine Art Haßliebe mit seinem Landsmann Meyerbeer verband, hat die Freuden und Leiden dieses Ruhms in seinem bedeutenden Meyerbeer-Aufsatz — dem neunten der Vertrauten Briefe an August Lewald — aus dem Jahre 1837 treffend formuliert:

Anmerkungen

  1. 5.
    Vgl. dazu Heinz Becker: Giacomo Meyerbeer und seine Vaterstadt Berlin, in: Carl Dahlhaus (Hg.): Studien zur Musikgeschichte Berlins im frühen 19. Jahrhundert, Regensburg 1980 (Studien zur Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts; Bd. 56), S. 429–450. Zum direkten ‘Städtevergleich’ zwischen Berlin und Paris siehe dort bes. S. 436.Google Scholar
  2. 112.
    Heinz Becker: Reflexionen über Meyerbeers Mélodies, in: Martin Just / Reinhard Wiesend (Hg.): Liedstudien. Wolfgang Osthoff zum 60. Geburtstag, Tutzing 1989, S. 337. Dabei weist Becker in diesem Zusammenhang darauf hin, daß diese Einschätzung von den französischen Musikkritikern nicht nur auf das „Gebiet der großen Oper“ beschränkt worden ist, „sondern auch auf dem kleineren Sektor der Mélodies Gültigkeit besaß“.Google Scholar
  3. 148.
    Giacomo Meyerbeer: 40 Mélodies à une et à plusieurs voix, avec Acct. de Piano, Paris: Brandus et Cie. 1850, S. 27–33.Google Scholar
  4. 154.
    Jürgen Schläder: „Nichts als eine Verzerrung“? Meyerbeers Heine-Lieder, in: Sieghart Döhring / Jürgen Schläder (Hg.): Giacomo Meyerbeer — Musik als Welterfahrung. Heinz Becker zum 70. Geburtstag, München 1995, S. 245.Google Scholar

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2006

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  • Sonja Gesse-Harm

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