„Leise zieht durch mein Gemüt“: Zu den Heine-Vertonungen Felix Mendelssohn Bartholdys

  • Sonja Gesse-Harm
Part of the Heine-Studien book series (HEINEST)

Zusammenfassung

Im Œuvre Felix Mendelssohn Bartholdys nimmt das Lied — ungeachtet oder gerade aufgrund der starken Popularität, die insbesondere seine Chorlieder erfahren haben1 — als musikalische Gattung sicherlich keinen zentralen Stellenwert ein. Vielmehr sind es neben instrumentalen Kammermusikkompositionen hauptsächlich großformatige Werke (wie die Symphonien, die Konzerte für Klavier und Orchester, die populären Konzertouvertüren, die Oratorien und zahlreichen Psalmvertonungen), die als repräsentativ für diesen Komponisten gelten. Es ist signifikant für Mendelssohns Schaffen, daß es sich stark am aktiven Musikleben der Zeit orientiert, gleichermaßen aber auch — man denke nur an die durch ihn wesentlich vorangetriebene Bach-Renaissance — auf dieses ‘geschmacksbildend’ eingewirkt hat. Wohl kaum ein anderer Komponist der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war derart vielfältig „als Dirigent, als Klavier- und Orgelspieler, als Musik-Organisator und als Leiter musikalischer Institutionen“2 in das aktuelle musikalische Geschehen involviert.3 Dabei blieb Mendelssohns Popularität bereits zu seinen Lebzeiten keinesfalls auf Deutschland beschränkt. So war es nicht nur das Urteil Luigi Cherubinis, das Abraham Mendelssohn 1825 während eines Aufenthalts in Paris von der ungewöhnlichen musikalischen Begabung seines Sohnes Felix und dessen richtiger Berufswahl überzeugte. Auch in den Folgejahren, die besonders zwischen 1829 und 1833 von Reisen nach England, Italien und abermals Paris geprägt sind, wächst Mendelssohns internationale Reputation, die ihm u. a. das Privileg einräumt, Konzerte am Pariser Conservatoire und bei der Philharmonic Society in London zu geben.4

Anmerkungen

  1. 1.
    Vgl. dazu Lars Ulrich Abraham: Mendelssohns Chorlieder und ihre musikgeschichtliche Stellung, in: Carl Dahlhaus (Hg.): Das Problem Mendelssohn, Regensburg 1974, S. 79ff.Google Scholar
  2. 2.
    Wulf Konoid: Felix Mendelssohn Bartholdy und seine Zeit, Laaber 1984, S. 50.Google Scholar
  3. 7.
    Vgl. hierzu auch Karl-Heinz Köhler: Mendelssohn, Stuttgart 1995 (The New Grove — die großen Komponisten), bes. die S. 95–100.Google Scholar
  4. 13.
    Vgl. hierzu Ralf Wehner: „…ich zeigte Mendelssohns Albumblatt vor und Alles war gut.“ Zur Bedeutung der Stammbucheintragungen und Albumblätter von Felix Mendelssohn Bartholdy, in: Christian Martin Schmidt (Hg.): Felix Mendelssohn Bartholdy, Kongreß-Bericht Berlin 1994, Wiesbaden 1997, S. 37–63. Die allein bereits aus Briefen hervorgehende Beobachtung, daß ein nicht geringer Teil der Lieder in Stammbücher und Alben von Frauen Eingang gefunden hat, erscheint — um hier schon vorzugreifen — auch mit Blick auf Mendelssohns Textwahl und seinen selektiven Zugriff auf Heines Lyrik durchaus aufschlußreich (vgl. hierzu Thomas Alan Stoner: Mendelsohn’s published songs, S. 357f).Google Scholar
  5. 14.
    Siehe dazu auch Ralf Wehner: „…ich zeigte Mendelssohns Albumblatt vor und Alles war gut.“ Zur Bedeutung der Stammbucheintragungen und Albumblätter von Felix Mendelssohn Bartholdy, S. 60, und Rudolf Elvers: Auf den Spuren der Autographen Felix Mendelssohn Bartholdys, in: Günter Brosche (Hg.): Festschrift Franz Grasberger, Tutzing 1975, S. 85. Darüber hinaus verzeichnet der von Margaret Crum bearbeitete Catalogue of the Mendelssohn Papers in the Bodleian Library, Vol. II, Tutzing 1983, S. 7, eine autographe Fassung der Heine-Vertonung Wenn ich auf dem Lager liege (Abendlied), die A. Hering dediziert und mit „Leipzig, 19. Jan. 1840“ datiert ist; die Vertonung ist allerdings bereits 1838/39 publiziert worden.Google Scholar
  6. 34.
    Vgl. zu dieser liedgeschichtlichen Problematik auch Luise Leven: Mendelssohns unveröffentlichte Lieder, in: Gerhard Schumacher (Hg.): Felix Mendelssohn Bartholdy, Darmstadt 1982 (Wege der Forschung; Bd. 494), S. 43: „Mendelssohn war in der Geschichte des Liedes vielleicht der letzte Komponist, der die Kluft zwischen dem volkstümlichen Lied und dem Kunstlied überbrückte, die sich während des späteren 19. Jahrhunderts schnell weiter öffnete“.Google Scholar
  7. 10.
    Reiner Marx: Artikel ‘Pückler-Muskau’, in: Walther Killy (Hg.): Literatur-Lexikon, Bd. 9, München 1991, S. 239.Google Scholar
  8. 125.
    Robert Franz: Gespräche aus zehn Jahren, veröffentlicht von Wilhelm Waldmann, Leipzig 1895, S. 71.Google Scholar
  9. 148.
    Vgl. dazu auch Douglass Seaton: The Problem of the Lyric Persona in Mendelssohn’s Songs, in: Christian Martin Schmidt (Hg.): Felix Mendelssohn Bartholdy. Kongreß-Bericht Berlin 1994, Wiesbaden 1997, S. 173.Google Scholar
  10. 186.
    Michael Werner (Hg.): Begegnungen mit Heine. Berichte der Zeitgenossen, Bd. 1, Hamburg 1973, S. 414.Google Scholar
  11. 202.
    Elisabeth Frenzel: Stoffe der Weltliteratur. Ein Lexikon dichtungsgeschichtlicher Längsschnitte, 8., überarbeitete und erweiterte Auflage, Stuttgart 1992 (Kröners Taschenausgabe Bd. 300), S. 65.Google Scholar
  12. Christiane Jacobsen: Das Verhältnis von Sprache und Musik in Liedern von Johannes Brahms, dargestellt an Parallelvertonungen, Teil 2, Hamburg 1975, (Hamburger Beiträge zur Musikwissenschaft; Bd. 16), S. 457fGoogle Scholar

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  • Sonja Gesse-Harm

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