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Romantik pp 268-316 | Cite as

Romantische Lyrik

  • Detlef Kremer
Chapter

Zusammenfassung

In Achim von Arnims 1802 erschienenem Roman Hollin’s Liebeleben findet sich eine Passage, die eine Perspektive auf romantische Lyrik ermöglicht. Gemeinsam mit einer Reisegruppe befinden sich der Held und seine Geliebte auf einem exponierten Ort im Gebirge. Sie fühlen sich gleichermaßen abgestoßen und belustigt durch ein »Gedicht in Hexametern«, das ein mitreisender Poet alter Schule »während des Sonnenaufgangs auf den Sonnenaufgang in seine Schreibtafel gedichtet« (Arnim I, 41) hat. Arnim führt exemplarisch vor Augen, was sich am besten mit einem »hexametrischen Sonnengedicht« anfangen lässt, »das Stück für Stück eine genaue Abschilderung dieses herrlichen Naturphänomens« (ebd., 42) ist: Er lässt den Morgenwind dafür sorgen, dass das Papier, auf dem das Gedicht geschrieben ist, auf Nimmerwiedersehen verschwindet und gleichsam in Natur zurückverwandelt wird. Dass das frühromantische Liebespaar gegen eine Lyrik der Naturnachahmung auf einer Poesie der Imagination und Phantasie besteht, deutet Arnim an, wenn Tiecks »Magelone« (ebd., 41) zum Requisit eines geheimen Einverständnisses zwischen den Liebenden wird. Im Gesprächsrahmen von Tiecks Phantasus (1812) erfährt Arnim eine späte Bestätigung. Tiecks fiktive Gesprächsteilnehmer machen sich über »Naturjäger« lustig, die »auf Sonnen-Auf- und Untergänge von hohen Bergen, auf Wasserfälle und Naturphänomene wahrhaft Jagd machen« (Tieck VI, 111). Und ähnlich wie Arnims Liebespaar hält man es mit demjenigen Dichter, »welcher nicht nachahmt, sondern zum erstenmal ein Ding vorträgt, welches unsre Imagination ergreift« (ebd., 147).

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2007

Authors and Affiliations

  • Detlef Kremer
    • 1
  1. 1.Universität MünsterDeutschland

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