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Der Hipster Irving Rosenthal

„Everything is itch and scratch“
  • Dirck Linck
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Zusammenfassung

Das Buch ging nicht durch, nicht einmal bei den Leuten von Grove-Press, und die brachten sogar Burroughs. Aber für Sheeper sahen sie, mit mutmaßlich guten Gründen, kein Publikum. Um im Ästhetischen angesiedelt zu werden, war dieser Text zu pornographisch, und um erfolgreich Pornoleser bedienen zu können, hatte Rosenthal seine fragmentarische Autobiographik zu hochgradig stilisiert, hatte er zu lustvoll alle Inhalte in die Formprobleme verwandelt, die sie sind. Im alten Konflikt zwischen Einbildungskraft und Wirklichkeit entschied sich ein Autor hier ganz für ästhetizistische Reflexion und monologische Selbstauskunft. Aussagen über die Sachen machte er nicht, er stellte dar, wie die Sachen von ihm erlebt werden. Das Thema seines die Gattungsgrenzen hinter sich lassenden Textes ist die Form, die Rosenthal abhängig weiß von der Haltung des Autors zu seinem Material. I want the printed line to intrude constantly, I want the reader’s focus to shift continually, I want each image broken and complemented by a word or sound and fixed by the spike of style.1 Weil Rosenthal zum Aufstand gegen die schickliche Geringschätzung des Ästhetischen verführen wollte, brachte er seine Botschaft, daß die Wirklichkeit zu verwerfen sei, mit jenen obszönen Worten vor, die man benutzt, wenn man nur angreifen, aber nicht siegen kann.

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Endnoten

  1. 1.
    Irving Rosenthal: Sheeper. The Poet! The Crooked! The Extra-Fingered! New York 1967, S. 69. Künftig werden Zitate im Fließtext durch in Klammem gesetzte Seitenzahlen nachgewiesen. Die Übersetzungen von Wulf Teichmann sind der deutschen Ausgabe entnommen: Schöps. Der Poet! Der Verkorkste! Der mit dem Extrafinger! Darmstadt: März-Verlag 1969. „Ich will, daß die gedruckte Zeile sich ständig aufdrängt, ich will, daß der Brennpunkt des Lesers dauernd hin und her gleitet, ich will jedes Bild gebrochen und durch ein Wort oder einen Klang ergänzt und festgehalten durch den Stachel des Stils.“ (80)Google Scholar
  2. 2.
    Harold Norse: Memoirs of a Bastard Angel. London 1990, S. 414. [Dt. Ausgabe: Bastard. Die Memoiren eines gefallenen Engels. Hamburg 1992.]Google Scholar
  3. 3.
    Irving Rosenthal: Stil / Camp und Prosa. In: Akzente, 13, 1966, S. 521–532. (Zweitausendeins-Reprint)Google Scholar
  4. 4.
    Zum Ablauf der Aftäre um Naked Lunch vgl. Irving Rosenthal: Editorial. In: Big Table, 1, 1959, No. 1, S. 3–6.Google Scholar
  5. 12.
    Vgl. Norman Podhoretz: The Know-Nothing Bohemians. In: The Partisan Review, 25, 1958, No. 2, S. 305–318. Podhoretz liest die Beats wie Hegel seinen Kleist gelesen hat, nämlich mit dieser Wenn-das-nun-jeder-machte-Ignoranz. Die Abkehr vom Primat der Vernunft und der regelrechten Dichtung, den Verzicht des Beat auf utopisch-vorarbeitende Realitätsmodelle: alles, was Beat ist, entlarvt Podhoretz als Kult des wesenlos Negativen, der in Barbarei und Blut enden müsse. Irgendwie trage Kerouac die Schuld an den Morden im Central Park (S. 318).Google Scholar
  6. 18.
    Herbert E. Huncke: The evening sun turned crimson. Cherry Valley 1980, S. 124. [Dt.: Bickford’s Cafeteria, Berlin 1990].Google Scholar
  7. 30.
    Allen Ginsberg: America. In: Allen Ginsberg: Das Geheul und andere Gedichte. Wiesbaden, München 61979, S. 64.Google Scholar
  8. 68.
    Michel Foucault: Der Wille zum Wissen. Frankfurt a. M. 1977, S. 123.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1997

Authors and Affiliations

  • Dirck Linck

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