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Camp as pop can

Andy Warhol als Gesamtkunstwerk
  • Annette Runte
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Zusammenfassung

Andy Warhol, Pop-Papst der 60er Jahre und eine Verkörperung des amerikanischen Traums, hat sein homosexuelles Begehren weder bestätigt noch geleugnet. Doch in dieser Undeutlichkeit liegt vielleicht die Signatur einer narzißtischen Ikone, deren vielzitierte sexuell-geschlechtliche Neutralität auf der Dekonstruktion von Identität durch Serialisierung beruht. Überließ es der einst effeminierte Werbegrafiker den Massenmedien, seinen Mythos zu kreieren, so rückte das zwischen Kunst und Kommerz angesiedelte ‘Phänomen Warhol’ gerade wegen seiner Botschaft von Leere und Reproduzierbarkeit ins mediale Zentrum der Macht1, an den metaphysischen Ort der ‘Gesellschaft des Spektakels’. Warhol als Gesamtkunstwerk, das, wie seine quasi-öffentliche Daseins- und Arbeitsform im Kontext der New Yorker ‘Factory’ demonstrieren sollte, Kunst/Werk und Leben multimedial verkoppelte, inspirierte jedoch auch das subkulturelle Imaginäre, nicht nur, weil seine Pop-Produktion auf schwule Ikonen (z. B. Mona Lisa, Marilyn Monroe) oder Akteure, etwa Transvestiten und Transsexuelle, zurückgriff, sondern auch deswegen, weil sein plakativer Lebensstil ein Modell stiftete für ‘Dandytum im Zeitalter der Massenkommunikation’2. Dabei wird der Exzeß des Camp-Gestus in Warhols asketischem Werk minimalistisch gebremst. Ironische Negativität weicht einer naiv-zynischen Haltung totaler Indifferenz, deren heitere Leichtigkeit und Sinn fürs Paradoxe humoristisch Resignation überspielt.

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Endnoten

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1997

Authors and Affiliations

  • Annette Runte

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