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Der Aphorismus pp 177-216 | Cite as

Begriffsspiel — Zwischen Philosophie und Poesie

  • Stephan Fedler
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Zusammenfassung

Die bis jetzt behandelten dreiundzwanzig aphoristischen Techniken lassen sich alle auf die gemeinsame Funktion der Pointe hin interpretieren. Da es sich bei der Pointe um eine allen aphoristischen Techniken gemeinsame Funktion handelt, ist die Technik der Schlußpointe eine Sonderform. Deshalb ist sie bis jetzt aufgespart worden. Schlußpointe meint doch ausschließlich, daß der zweite (dritte, vierte…) Begriff im Aphorismus am Ende steht und dadurch eine überraschende Enttäuschung der Leseerwartung erreicht wird. Es bleibt zu klären, inwieweit extrem verkürzte Formen zur Schlußpointe zu zählen sind. Um nur zwei verkürzte Aphorismen als Beispiel für dieses Problem zu behandeln, seien je ein Aphorismus von Lichtenberg und Lee, also den zeitlich am weitesten entfernten Aphoristikern gewählt:

„Hofbandit.“(J583)

„Bakterien? Kleinigkeit!“ (Lee 95)

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Notizen

  1. 1).
    Vgl. Wenzel, P.: Von der Struktur des Witzes zum Witz der Struktur: Untersuchungen zur Pointierung in Witz und Kurzgeschichte, Heidelberg 1989. Im weiteren im Text zitiert als W + Seitenangabe.Google Scholar
  2. 2).
    Vgl. Freud, S.: Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten, 1905, Frankfurt 1989.Google Scholar
  3. 3).
    Corrado Rosso etwa führt die noch zu erläuternde „Umkehrung der Bedeutung“ auf die Maximen des Evangeliums zurück. Vgl. Rosso, C: Maximen und Regeln: Von den Evangelien bis zur Gegenwart, in: Cantarutti & Schumacher (Hrsg.), „Neuere Studien zur Aphoristik und Essayistik“, Frankfurt 1986, S. 150.Google Scholar
  4. 5).
    Oder auch in den Worten Richard T. Grays: „…precisely the undermining of its own persuasive structure and logic is constitutive of the aphorism as genre.“ Vgl. Gray, R.T.: Constructive Destruction, Tübingen 1987, S. 3.CrossRefGoogle Scholar
  5. 6).
    Auch Shimon Sandbank, der in Bezug auf Kafkas „surprise techniques“ feststellt, „Surprise in Kafka’s aphorisms may be either lexical, metaphorical, syntactic, or logical“, kommt nicht umhin, in der Zusammenstellung der Worte eine Sinnveränderung, also letztlich eine „semantische Deviation“ zu sehen. Vgl. Sandbank, S.: Surprise Techniques in Kafka’s Aphorisms, in: Orbis Litterarum 25, 1970, S. 26..CrossRefGoogle Scholar
  6. 8).
    Vgl. Jean Paul: Vorschule der Ästhetik, in: ders., „Werke“, Bd. 5 hrsg. von Müller, 3München 1973, S. 172.Google Scholar
  7. 10).
    Vgl. Fricke, H.: Norm und Abweichung, a.a.O., S. 132. ebenso Fricke, H.: Sprachabweichungen und Gattungsnormen, in: „Textsorten und literarische Gattungen“ hrsg. vom Vorstand der Vereinigung d. dt. Hochschulgermanisten, Berlin 1983, S. 267.f.Google Scholar
  8. 16).
    Vgl. Hempfer, K.W.: a.a.O., S. 27. Verweyen, Th. & Witting, G.: Die Parodie in der neueren deutschen Literatur, Darmstadt 1979, S. 108.f undGoogle Scholar
  9. Lamping, D.: Ist die literarische Übersetzung eine Gattung?, in: Arcadia 23, 1988, S. 226..CrossRefGoogle Scholar
  10. 23)).
    Vgl. auch Günther, J.: Warum so viele Aphorismen?, in: Neue Deutsche Hefte 5, 1958/59, S. 739. der auch auf der geschichtlichen Wandlung von Aphorismen besteht, „so sehr sie, wiederum hauptsächlich ihrer Kürze wegen, in einem überzeitlichen Raum zu siedeln scheinen.“ Hiergegen muß festgehalten werden, daß die Kürze von verwendeten Begriffen abhängt, die wiederum die relative historische Stabilität bewirken können.Google Scholar
  11. 25).
    Vgl. Strube, W.: Sprachanalytisch-philosophische Typologie literaturwissenschaftlicher Begriffe, in: Wagenknecht (Hrsg.), „Zur Terminologie der Literaturwissenschaft“, Stuttgart 1988, S. 35.f.Google Scholar
  12. 27).
    Vgl. Wittgenstein, L.: Philosophische Untersuchungen, Frankfurt 1980. §§ 67ff und Verweyen, Th. & Witting, G.: a.a.O., S. 105.f.Google Scholar
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  14. 35).
    Die erstaunliche Nähe der Textsorten Aphorismus und Epigramm verführte wohl auch Hess, eine Definition des Epigramms auf der Basis von Frickes Aphorismusdefinition zu versuchen. Diese scheitert allerdings an den bei Fricke kritisierten Definitionsproblemen. Vgl. Hess, P.: Epigramm, Stuttgart 1989.Google Scholar
  15. 36).
    So nimmt auch der Sammelband von Cantarutti & Schumacher und hier bes. Schumachers Arbeit zu Ernst Jünger „Aphoristik“ und „Essayistik“ zusammen. Vgl. Schumacher, H.: Themen der französischen Moralistik bei Ernst Jünger, in: Cantarutti & Schumacher (Hrsg.), „Neuere Studien zur Aphoristik und Essayistik“, Frankfurt 1986, S. 104.f.Google Scholar
  16. 37).
    Vgl. Wagenknecht, Ch. (Hrsg.): Zur Terminologie der Literaturwissenschaft, Würzburg 1986, S. 263.f, besonders Verweyen, Th.: Einführung, S. 263–73.Google Scholar
  17. 38).
    Etwa Goethes „Maximen und Reflexionen“, die nach Walter Müller-Seidel in der Traditionslinie naturwissenschaftlicher Aphorismen stehen. Vgl. Müller-Seidel, W.: Goethes „Maximen und Reflexionen“, in: Goethe-Jhb. 97, 1980, S. 115.Google Scholar
  18. 39).
    So etwa in Gabriel Laubs Sammlung „Denken verdirbt den Charakter“, die nach so verschiedenen Themen wie „Über das Denken“, „Über Nullen“ und „Über die Ehe“ eingeteilt ist. Vgl. Laub, G.: Denken verdirbt den Charakter, 2München-Wien 1984.Google Scholar
  19. 43).
    Also etwa als „Erfahrung“, die sich in einem abstrakt-philosophischen „Spruch“ mit poetischen Verfahren verdichtet. Vgl. Jolies, A.: Einfache Formen, 5Tübingen 1974, 1. Aufl. 1930, S. 150.f.Google Scholar
  20. 45).
    Vgl. Adorno, Th.W.: Parataxis, in: ders., „Noten zur Literatur“, Frankfurt 1981, S. 463.Google Scholar
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    Vgl. Bubner, R. (Hrsg.): Das älteste Systemprogramm, Bonn 1973.Google Scholar
  22. 47).
    Vgl. Hegel, G.W.F.: [Das älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus], in: ders., „Werke in 20 Bänden“, Bd. 1, „Frühe Schriften“, Frankfurt 1971.Google Scholar
  23. 51).
    Vgl. Kant, I.: Kritik der Urteilskraft, „Werkausgabe in 12 Bänden“ hrsg. von Weischedel, Bd. 10, Frankfurt 1979, § 59.Google Scholar
  24. 52).
    So interpretiert auch Beardsmore fiktionale Texte als Beispiele zur Lösung philosophischer „Konfusionen“. Vgl. Beardsmore, R.W.: Literary Examples and Philosophical Confusion, in: Griffiths (Hrsg.), „Philosophy and Literature“, Cambridge 1984, S. 59.f.Google Scholar
  25. 53).
    Vgl. Hamburger, K.: Die Logik der Dichtung, 4Frankfurt — Berlin — Wien 1980, S. 15.f und Wahrheit und ästhetische Wahrheit, Stuttgart 1979.Google Scholar
  26. 54).
    So interpretiert Gabriel, Hamburgers Sprache in seine (Fregesche) übersetzend: „Behauptungs-Sätze in einem Roman beanspruchen keine Referenziali-sierbarkeit.“ Vgl. Gabriel, G.: Fiktion und WahrheitEine semantische Theorie der Literatur, Stuttgart — Bad Cannstadt 1975, S. 59. Daß dies nicht nur für den Roman gilt, belegt Kap. 1.3. dieses Buches.Google Scholar
  27. 57).
    Vgl. Bürger, P.: Vermittlung — Rezeption — Funktion, Frankfurt 1979, S. 95.f.Google Scholar
  28. 59).
    Vgl. Koch, W.A.: Poetizität zwischen Metaphysik und Metasprache, in: Poetica 10, 1978, S. 285.f.Google Scholar
  29. 61).
    Adorno, Th.W.: Versuch, das Endspiel zu verstehen, in: ders., „Noten zur Literatur“, Frankfurt 1981, S. 306.Google Scholar
  30. 62).
    Sklovskij, V.: Die Kunst als Verfahren, in: Striedter (Hrsg.), „Russischer Formalismus“, 3Meisenheim — München 1983, S. 15.Google Scholar
  31. Dazu Lachmann, R.: Die „Verfremdung“ und das „neue Sehen“ bei Viktor Sklovskij, in: Poetica 3, 1970, S. 226.f.Google Scholar
  32. 66).
    Die Selbstreferentialität betont auch auf der Basis seiner Theorie des „Literatursystems“ S.J. Schmidt. Vgl. Schmidt, S.J.: Diskurs und Literatursy-sterriy in: Fohrmann & Müller (Hrsg.), „Diskurstheorien und Literaturwissenschaft“, Frankfurt 1988, S. 137..Google Scholar
  33. 67).
    Vgl. Gadamer, H.G.: Philosophie und Literatur, in: ders. (Hrsg.), „Was ist Literatur?“, Freiburg — München 1981, S. 32.Google Scholar
  34. 74).
    Vgl. Derrida, J.: Die Struktur, das Zeichen und das Spiel im Diskurs der Wissenschaft vom Menschen, in: ders., „Die Schrift und die Differenz“, 4Frankfurt 1989, S. 422.f.Google Scholar
  35. 75).
    Vgl. u.a. Brandt, R.: Die literarische Form philosophischer Werke, in: Universitas 40, 1985, S. 545–56.6Google Scholar
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    Vgl. Kemp, P.: Narrative Philosophie, in: Ekmann, Kristiansen, Schmöe (Hrsg.), „Literatur und Philosophie“, Kopenhagen — München 1983, S. 40.f.Google Scholar
  37. 77).
    So Kuhns unter der Kategorie „human experience“: „Rather than impugn the truth of literary art, philosophy ends in becoming itself a work of literary art.“ Vgl. Kuhns, R.: Literature and Philosophy, London 1971. S. DC und Kap. 6.Google Scholar
  38. 78).
    So z.B. Fricke, H.: Kann man poetisch philosophieren?, in: Gabriel & Schildknecht (Hrsg.), „Literarische Formen der Philosophie“, Stuttgart 1990, S. 26–39.CrossRefGoogle Scholar
  39. 79).
    Habermas, J.: Exkurs zur Einebnung des Gattungsunterschieds zwischen Philosophie und Literatur, in: ders., „Der philosophische Diskurs der Moderne“, Frankfurt 1988, S. 245.Google Scholar

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Authors and Affiliations

  • Stephan Fedler

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