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Einleitung

  • Stephan Fedler
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Zusammenfassung

Das Begriffspaar „Philosophie und Poesie“ kündigt eine Untersuchung an, bei der der hierdurch provozierte Erwartungshorizont auf ein gesundes Maß eingeengt werden muß. Es ist nämlich kaum möglich, in einer Auseinandersetzung, die von Plato bis zu den neuesten poststrukturalistischen Thesen Derridas geführt wird, auch nur annäherungsweise einen Überblick zu gewinnen. Ebenso reichhaltig wie unübersichtlich ist die dieses Verhältnis thematisierende Forschungsliteratur. Auch die jüngst erschienene „Bibliographie zur literarischen Form der Philosophie“ kommt nicht ohne weitreichende Einschränkungen aus,1 auch wenn hier das Thema einseitig von der Seite der Philosophie, die sich literarischer Formen bedient, angegangen wird. Die Namen Plato und Derrida stehen aber nicht nur zeitlich, sondern auch sachlich für extreme Positionen: Der eine, der sich trotz seines Diktums „Vieles lügen die Dichter“ zumindest in seinen exoterischen Schriften dichterischer oder poetischer Mittel bedient; der andere, der unter dem Diktum, Philosophie sei eine Form der Literatur, im philosophischen Diskurs argumentatives Sprechen oder gar Systematisierungszwänge weitestgehend negiert.

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Notizen

  1. 1).
    Vgl. Schildknecht, C: Bibliographie zur literarischen Form der Philosophie, in: Gabriel & Schildknecht (Hrsg.), “Literarische Formen der Philosophie”, Stuttgart 1990, S. 178ff.Google Scholar
  2. 2).
    Horstmann, U.: Der englische Aphorismus: Expeditionseinladung zu einer apokryphen Gattung, in: Poetica 15, 1983, S. 37.Google Scholar
  3. 3).
    Vgl. Weimar, K. & Jermann, Ch.: “Zwiesprache oder Literaturwissenschaft? — Zur Revision eines faulen Friedens, in: Neue Hefte für Philosophie 23, “Wirkungen Heideggers”, Göttingen 1984. Zu diesem Problem stellt selbst der von der Heideggerschule beeinflußte H. Anz fest:Google Scholar
  4. “…es reicht also nicht aus, Th. Mann von Schopenhauer und Nietzsche, Frisch von Kierkegaard, Heidegger und Sartre aus zu interpretieren.” Vgl. Anz, H.: Das Ungesagte im Gesagten — M. Heideggers Auslegung von Dichtung und ihre Bedeutung für die Poetologie, in: “Literatur und Philosophie” hrsg. von Ekmann, Kristiansen, Schmöe, Kopenhagen — München 1983, S. 139.Google Scholar
  5. 4).
    Wolandt, G.: Philosophie der Dichtung, Berlin 1965, S. 19.CrossRefGoogle Scholar
  6. 5).
    Vgl. Martinez, M. & Rühling, L.: Literatur als Abweichung?, in: Text und Kontext 13, 1986, S. 382.Google Scholar
  7. 6).
    Vgl. Fricke, H.: Die Sprache der Literaturwissenschaft, München 1977, S. 23ff.Google Scholar
  8. 8).
    Dadurch enthebt sich die Untersuchung des Problems, zwischen verschiedenen Philosophien unterscheiden zu müssen bzw. hier Stellung beziehen zu müssen. Längst scheint sich die in allen Wissenschaften aufgetretene Zersplitterung in verschiedene Fragestellungen, Fachrichtungen und Methodiken auch auf die Philosophie auszuweiten, weshalb der Blumenberg entlehnte Plural gestattet sei. Vgl. Blumenberg, H.: Die Sorge geht über den Fluß, Frankfurt 1987, S. 222.Google Scholar
  9. 9).
    Vgl. Hamburger, K.: Wahrheit und ästhetische Wahrheit, Stuttgart 1979.Google Scholar
  10. 10).
    Vgl. etwa Brandt, R.: Die literarische Form philosophischer Werke, in: Universitas 40, 1985, S. 545–56 undGoogle Scholar
  11. Fricke, H.: Kann man poetisch philosophieren?, in: Gabriel & Schildknecht (Hrsg.), “Literarische Formen der Philoso-phie” Stuttgart 1990, S. 26–39 undCrossRefGoogle Scholar
  12. Gabriel, G.: Ober Bedeutung in der Literatur. Zur Möglichkeit literarischer Erkenntnis, in: Allgemeine Zeitschrift für Philosophie 8, Heft 2, 1983, S. 7–23.Google Scholar
  13. 11).
    Vgl. Heller, E.: Enterbter Geist, Frankfurt 1954, bes. “Diskurs über Denken, Glauben und Dichten”, S. 175ff.Google Scholar
  14. 12).
    Vgl. Stein, H.O.: Thematic concepts: where philosophy meets literature, in: Griffiths (Hrsg.), “Philosophy and Literature”, Cambridge 1984, S. 88ff.Google Scholar
  15. 13).
    Nietzsche, F.: Der Wille zur Macht, ausgew. und geordnet von Gast unter Mitw. von Förster-Nietzsche, 12Stuttgart 1980, S. 8.Google Scholar
  16. 15).
    Ein mögliches Untersuchungsfeld wären die von Heinz Schlaffer unter dem Benjaminschen Titel beschriebenen “Denkbilder”. Diese emblematischen Texte scheinen jedoch einem bestimmten engumgrenzten Zeitraum und einer festen ideologischen Richtung anzugehören, was sie für den gesuchten Vergleich untauglich macht. Auch unter Einbeziehung der Vorläufer —wie etwa Nietzsche -und Nachfolger — etwa Blumenberg — bleiben diese Texte zeitlich eingeschränkt. Vgl. Schlaffer, H.: Denkbilder, in: Kuttenkeuler (Hrsg.), “Poesie und Politik”, Stuttgart 1973, S. 137–154.Google Scholar
  17. 16).
    Stern, J.P.: Eine literarische Definition des Aphorismus, in: Neumann (Hrsg.), “Der Aphorismus”, Darmstadt 1976, S. 265.Google Scholar
  18. 18).
    Calvino, L: Philosophie und Literatur, in: ders., “Kybernetik und Gespenster”, München — Wien 1984, S. 28.Google Scholar

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  • Stephan Fedler

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