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Thomas Mann pp 136-140 | Cite as

Film und Verfilmung

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Zusammenfassung

Mehrere Faktoren mußten seit etwa Mitte der siebziger Jahre zusammenkommen, um aus dem Film durch vervielfältigte Forschungsinitiativen ein weniger heikles Thema zu machen: der hohe Bild-Konsum moderner Industriegesellschaften löste das Phänomen aus seiner Randstellung, das Aufgreifen der sozialgeschichtlichen Dimension der Literatur innerhalb der Germanistik, und — bei Mann — die Entdeckung engerer Berührungspunkte als zuvor angenommen. Die Tagebücher weisen Mann als überraschend eifrigen Kinogänger aus, und seine emotionale, bis zu Tränen gehende Reaktion ist mehrfach festgehalten. Bis zur Farbfilmzeit bewahrte Mann eine reservierte, aber nicht unaufgeschlossene Haltung gegenüber dem neuen Medium, auch wenn man ihn schon im Dezember 1918 in einen »Lichtspiel-Censur-Beirat« (Tagebuch) berufen hat. An welche Art von Film man dabei zu denken hat, schildert eine »Zauberberg«-Szene:

»Es war eine aufgeregte Liebes- und Mordgeschichte, die sie sahen, stumm sich abhaspelnd am Hofe eines orientalischen Despoten, gejagte Vorgänge voll Pracht und Nacktheit, voll Herrscherbrunst und religiöser Wut der Unterwürfigkeit, voll Grausamkeit, Begierde, tödlicher Lust und von verweilender Anschaulichkeit, wenn es die Muskulatur von Henkersarmen zu besichtigen galt, — kurz, hergestellt aus sympathetischer Vertrautheit mit den geheimen Wünschen der zuschauenden internationalen Zivilisation« (GW III, 440 f.).

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Literatur

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    Eine Kopie soll sich im Deutschen Filminstitut, Wiesbaden, befindenGoogle Scholar
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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1984

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