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Thomas Mann pp 128-136 | Cite as

Zeitgenossen

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Zusammenfassung

Vielleicht ist dies bei einem Schriftsteller, der beinahe noch zur Gegenwartsliteratur zählt, nicht anders zu erwarten: es dominiert die persönliche Ebene bei der Darstellung der Beziehungen zu Zeitgenossen, selbst wenn diese Schriftsteller sind. Charakteristisch ist daher, daß in den Ausgaben der Briefwechsel (vgl. L 19 ff.) zugleich die intensivsten Auseinandersetzungen mit den schriftstellerischen Positionen zu finden sind. Dieses Defizit an literarhistorischer Dimension allein der Mann-Forschung anzulasten wäre falsch. So war z. B. geschichtliche Distanz nötig, um unbefangen die Literatur im NS-Reich anzugehen, und wir stehen erst am Anfang eines vollständigen, Exil, innere Emigration und affirmative Literatur einschließenden Bilds der deutschen Literatur in den Jahren nach 1933. Wie sehr persönliche Leidenschaften zudem noch immer die Diskussion färben, mögen zwei Beispiele zeigen. 1978 hat der Regisseur George Tabori, der 1949 an einem Drehbuch für eine »Zauberberg«-Verfilmung mitgearbeitet hat, bei der Greta Garbo mitspielen sollte, aus seinem Leben geplaudert und von einem gemeinsamen Abend in Feuchtwangers Villa in Kalifornien berichtet und als Äußerung Manns auf dem Rückweg festgehalten:

»›Junger Mann‹, sagte er, ›haben sie die Perfektion der Einrichtung bemerkt, die 18 000 ledergebundenen Bücher, alle von ihm nicht nur gelesen, sondern auch verstanden und im Gedächtnis behalten; die abwechslungsreichen Schreibtische, einer, um im Liegen zu schreiben, ein anderer, um sitzend zu schreiben, ein dritter zum Stehen, und die prächtigen Schreibutensilien, die verschiedenen Schreibmaschinen, die Batterie von Federn, Bleistiften, Radiergummis, die erlesene Qualität des Papiers, die raffinierte kleine Nische für die Sekretärin, immer zur Hand, der Blick über den Pazifischen Ozean, der Duft der exotischen Flora, diese riesige, diskrete, immer hilfsbereite Frau, die mich an einen Indianerhäuptling erinnert, und was kommt bei all der Vollkommenheit heraus? Reine Scheiße‹« (L 269).

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Literatur

  1. L 269.
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