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  • Helmuth Widhammer
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Zusammenfassung

Die Diskussion um den deutschen Realismus des 19. Jhs. erhielt in den letzten Jahren insofern einen neuen Akzent, als neben den dichterischen Werken der Epoche auch die in Zeitschriften verstreute Literaturkritik der Jahre um 1848 zur Bestimmung des Realismusbegriffs herangezogen wurde. Die deutsche Germanistik scheute im Zeichen der textimmanenten Methode lange Zeit den Umgang mit der journalistischen Literaturkritik und zerschnitt so nicht nur den Konnex zwischen Kritik und Werk, sondern auch den zwischen Werk und Publikum. Der literarische Rezensent ist Teil dieses Publikums, spiegelt und reflektiert zugleich Lesererwartungen, wie er auch diese beeinflußt. Insofern wird eine historische und kritische Darstellung des literarischen Journalismus der Zeit nicht nur Beiträge zu einem vertieften Verständnis des realistischen Literaturbegriffes leisten können, sondern auch zumindest Streiflichter werfen auf das äußerst komplexe Etwas, das man vage »literarische Kultur« nennt.

Literatur

  1. (aufgenommen sind auch einige ältere, oben nicht besprochene Werke)Google Scholar
  2. Friedrich Sengle: Biedermeierzeit. Deutsche Literatur im Spannungsfeld zwischen Restauration und Revolution, 1815–1848. Bd. 1: Allgemeine Voraussetzungen, Richtungen, Darstellungsmittel, Stuttgart 1971. Vgl. bes. S. 257 ff.: »Zur näheren Bestimmung des programmatischen Realismus und zu seiner Abgrenzung von den Richtungen der Biedermeierzeit.«Google Scholar
  3. Werner Hahl: Reflexion und Erzählung. Ein Problem der Romantheorie von der Spätaufklärung bis zum programmatischen Realismus, Stuttgart 1971. Vgl. bes. S. 200 ff.: »Das Objektivitätsideal des realistischen Programms.«Google Scholar
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  5. Hermann Kinder: Poesie als Synthese. Ausbreitung eines deutschen Realismus-Verständnisses in der Mitte des 19. Jahrhunderts, Frankf. a. M. 1973.Google Scholar
  6. Hartmut Steinecke: Romantheorie und Romankritik in Deutschland. Die Entwicklung des Gattungsverständnisses von der Scott-Rezeption bis zum programmatischen Realismus, Bd 1, Stuttgart 1975. Bd 2, Quellentexte, Stuttgart 1976.Google Scholar
  7. Hartmut Steinecke: Realismus und Gründerzeit. Manifeste und Dokumente zur deutschen Literatur 1848–1880, hg. von M. Bucher, W. Hahl, G. Jäger und R. Wittmann. Bd 1 : Einführung in den Problemkreis, Abbildungen, Kurzbiographien etc., Stuttgart 1976. Bd 2: Manifeste und Dokumente, ebd. 1975.Google Scholar
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  13. Zum Problem der Periodisierung vgl. jetzt Peter Stein: Epochenproblem »Vormärz«, Stuttgart 1974 (= Slg Metzler 132). Die Arbeit unterstreicht die Grenzmarken 1815 und 1848. Der wesentliche, wohl heftigen Widerspruch provozierende Neuansatz Steins liegt in seiner Problematisierung der Epocheneinheit »Biedermeierzeit«, die Stein unter den Begriff »Vormärz« subsumiert sehen möchte. Die bisher geltende »Vormärz-Schablone«, wonach die Jahre 1830 bzw. und besonders 1840 als Wasserscheide in der ökonomisch-politischen Entwicklung zwischen 1814/15 und 1848 galten, muß nach Stein der Einsicht weichen, »daß ab 1815 der prinzipielle Wandel (als Basisprozeß sowie als Antizipation bzw. Reaktion im Überbau) eingesetzt hat und bis 1830 schubweise Transparenz erlangt. Ab 1815 ist […] der Widerspruch zwischen der ökonomischen Emanzipation des Bürgertums vom Feudalismus und der politischen Gebundenheit an ihr als sich entfaltender und verschärfender Prozeß zu erkennen, der dann seinen […] ersten einschneidenden Abschluß in den Revolutionen von 1848 findet.« (S. 54 f.)Google Scholar
  14. Einen Forschungsbericht zur Theorie des deutschen Realismus legt Ulf Eisele in der DVjs. (1977) unter dem Titel vor: Realismusproblematik: Überlegungen zur Forschungssituation.Google Scholar

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1977

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  • Helmuth Widhammer

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