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Die Fahrt in den Straßengraben

Narrative Strategien in Manifesten der europäischen Avantgarde
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Zusammenfassung

Man findet sich — »meine Freunde und ich« — die Nacht über in geselliger Runde beisammen, »unter den Moscheeampeln mit ihren durchbrochenen Kupferschalen, sternenübersät wie unsere Seelen«, man lagert auf »weichen Orientteppichen«, diskutiert »bis zu den äußersten Grenzen der Logik« und »schwärzt viel Papier mit irren Schreibereien«. Geräusche von vorbeifahrenden Straßenbahnen und »das Aufbrüllen hungriger Autos« geben schließlich Anlaß zum Aufbruch. In drei Wagen bricht die anonym bleibende Runde auf: »Wir jagten dahin«, heißt es, »und zerquetschten auf den Hausschwellen die Wachhunde, die sich unter unseren heißgelaufenen Reifen wie Hemdkragen unter dem Bügeleisen bogen. « Schließlich findet sich einer der Wagen, durch zwei Radfahrer zum Bremsen genötigt, in einem Straßengraben wieder. Es ist, wie sich herausstellt, der Abflußgraben einer Fabrik, ein »mütterlicher Graben, fast bis zum Rand mit schmutzigem Wasser gefüllt«. Das Auto wird dank »großer Gerüste« geborgen, und wider Erwarten ist es weiterhin fahrtüchtig.

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Notizen

  1. 1.
    Marinetti, Filippo Tommaso: Gründung und Manifest des Futurismus, in: Manifeste und Proklamationen der europäischen Avantgarde (1909–1938), hg. v. Wolfgang Asholt u. Walter Fähnders, Stuttgart/Weimar 1995, S. 3–7, die Zitate S. 3 u. S. 4.Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. resümierend Hansgeorg Schmidt-Bergmann, Futurismus. Geschichte, Ästhetik, Dokumente, Reinbek 1993, S. 27–29.Google Scholar
  3. 3.
    Hinz, Manfred: Die Manifeste des Primo Futurismo Italiano, in: »Die ganze Welt ist eine Manifestation«. Die europäische Avantgarde und ihre Manifeste, hg. v. Wolfgang Asholt u. Walter Fähnders, Darmstadt 1997, S. 109–131, hier S. 113.Google Scholar
  4. 7.
    Lämmert, Eberhard: Bauformen des Erzählens, Stuttgart 1967, S. 19.Google Scholar
  5. Erzählung, Narration im folgenden allgemein verstanden als Text, der eine Folge von Ereignissen, eine ›Geschichte‹, präsentiert: »narrative« als »the recounting […] of one or more real or fictious events communicated by one, two or several […] narrators to one, two or several […] narratees« (Gerald Prince, A dictionary of narratology, Lincoln 1987, S. 58).Google Scholar
  6. 9.
    Hier nur drei Fundstücke: Sozialdemokratisches Manifest, Stuttgart 1884; Antonin P. Kalina, Manifest anarchistú ceskych (1896), dt. in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 15 (1998), S. 229–232; Pierre Ramus [d. i. Rudolf Großmann], Das Anarchistische Manifest, Berlin 1907.Google Scholar
  7. 11.
    Fähnders, Walter: »Vielleicht ein Manifest«. Zur Entwicklung des avantgardistischen Manifestes, in: »Die ganze Welt ist eine Manifestation«, S. 18–38, bes. S. 20–22; vgl. Jean-Pierre A. de Villers, Le premier manifeste du futurisme. Édition critique avec, en fac-similé, le manuscrit original de f. t. marinetti, Ottawa 1986.Google Scholar
  8. 18.
    Breton, André: Die Manifeste des Surrealismus, Reinbek 1968, S. 34.Google Scholar
  9. 22.
    Bürger, Peter: Der französische Surrealismus. Studien zur avantgardistischen Literatur. Um neue Studien erw. Ausgabe, Frankfurt a. M. 1996, S. 60.Google Scholar

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1999

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