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›Originale‹ und Genies — Lichtenberg über Romanautoren

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Zusammenfassung

Die Äußerungen des Göttinger Universal-Gelehrten über die Romangattung, ihre Autoren und seine eigenen Schreibpläne beschränken sich auf einige Dutzend meist kurze Notate in den mehr als zehntausend Eintragungen seiner seit 1764 geführten Sudelbücher, Materialhefte und Diarien.1 Hinzu kommen einige Beiträge in seinen Korrespondenzen,2 die in ähnlicher Weise wie die Bestände seiner Privatbibliothek3 und die Benutzereintragungen der Göttinger Universitätsbibliothek4 eine Konzentration des Lesers Lichtenberg auf wenige Romane von weltliterarischem Rang erkennen lassen. In den Notaten scheint die satirische Abwehr dessen, was der zeitgenössische Literaturmarkt mit dem Originalitätssigel versieht, seine eigenen Romanpläne eher behindert, sein nicht deduktiv gewonnenes Poesiekonzept jedoch profiliert zu haben, wie der Vorschlag zu einem Orbis pictus für deutsche dramatische Schriftsteller, Romanen-Dichter und Schauspieler5 von 1780/1785 erkennen läßt. Einen Masterplan dieser für Produzenten wie Rezipienten gleichermaßen abenteuerlichen Expedition in die terra incognita der zeitgenössischen Gesellschaft wie der menschlichen Seele hatte schon der Student der Mathematik, Astronomie und Naturgeschichte 1765 in der Göttinger »Historischen Akademie« in Vorschlag gebracht: Mit seinem Vortrag Von den Charakteren in der Geschichte, in dem er die »Verfassung des Geschichtsschreibers« und die »hierzu nötigen Kenntnisse«6 darlegt, die er insbesondere in der »noch wenig bearbeiteten Natur-Geschichte, nämlich der Naturgeschichte vom menschlichen Herzen« situiert.

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Notizen

  1. 1.
    Vgl. hierzu die umfassende Darstellung von Gerhard Sauder, Lichtenbergs ungeschriebene Romane, in: Zeitschrift für deutsche Philologie 98 (1979), H. 4, S. 481–197 (zuerst in: Photorin 1 (1979), S. 3–14).Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. Ulrich Joost, Lichtenberg — der Briefschreiber, Göttingen 1993.Google Scholar
  3. 5.
    Lichtenberg, Georg Christoph: Vorschlag zu einem Orbis pictus für deutsche dramatische Schriftsteller, Romanen-Dichter und Schauspieler, in: ders., Schriften und Briefe, hg. v. W. Promies, Bd. III, München 1972, S. 377–405. Zitate aus dieser zwischen 1967 und 1992 erschienen Ausgabe werden künftig durch das Kürzel SuB, der Band mit römischen, Kommentarbände mit dem Zusatz (K), die Seite mit arabischen Ziffern belegt.Google Scholar
  4. 22.
    Lavater, Johann Caspar: Physiognomische Fragmente zur Beförderung der Menschenkenntnis und Menschenliebe. Faksimiledruck nach der Ausgabe 1775–1778, Bd. III, Leipzig 1969, S. 207.Google Scholar
  5. 35.
    Ibid., S. 383. Auf die Auslegungsprobleme von Horaz, Vers 128 (»difficile est proprie communia dicere«) geht Hans-Jürgen Horn (Konvention und Originalität. Anmerkungen zu einem Horazzitat in Lichtenbergs »Orbis pictus«, in: Antike und Abendland 39 (1993), S. 125–131) ein und betont die »Achse der Kontinuität« (ibid., S. 130) zur Poetologie der Antike.Google Scholar
  6. 53.
    Ibid. Lichtenberg bezieht sich hier auf Johann Jacob Engels Brief Über Emilia Galotti (1775) in Der Philosoph für die Welt, in: ders., Schriften (1801–1806). Bd. I, [ND] Frankfurt a. M. 1971, S. 149–150.Google Scholar
  7. 54.
    Vgl. Blanckenburg, Friedrich von: Versuch über den Roman. Faksimiledruck der Originalausgabe von 1774. Mit einem Nachwort von Eberhard Lämmert, Stuttgart 1965, S. 261–265. Gerhard Sauder (Lichtenbergs ungeschriebene Romane, S. 489 u. 492) wies bereits auf die Differenz zwischen Blanckenburgs Konzept und Lichtenbergs eigenen Romanplänen hin.Google Scholar

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1999

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