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Roman und Wissenschaft im 19. Jahrhundert

Ein Essay
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Zusammenfassung

Schaut man auf die intellektuelle Physiognomie des 19. Jahrhunderts, dessen nachhaltige Denkfiguren und theoretische Konstruktionen wir am Ende unseres Jahrhunderts kritisch überprüfen, so gibt es für den Literarhistoriker eine eingängige Feststellung: Die deutsche Literatur zwischen 1830 und 1890 ist kaum von eigenständigem Kunstwert, der sie heraushebt aus ihrer Zeit- und Millieugebundenheit; bis auf einige Ausnahmen — Büchner gehört dazu — könnte man sie der Normalität des Kulturprozesses überlassen: dem Vergessen. Mittels einer physiologischen Metaphorik ist man geneigt, von einer Schwächeperiode zu sprechen oder von einem Erschöpfungszustand nach der fulminanten »Kunstperiode« (Heine). Bis heute bilden Werke aus der früheren Epoche den Grundstock des intellektuellen und ästhetischen Kanons, das eigentliche 19. Jahrhundert ist das Revier der Zaunkönige. Der Roman als Gattung ist ein exzellentes Paradigma für diesen so augenfälligen Befund: Am Ende des 18. Jahrhunderts zur anerkannten Kunstgattung aufgestiegen, wurde mit ihm ein ganzes hoffnungsvolles Bildungsprogramm proklamiert, ausgreifender kaum zu denken: »Keine Gattung der Poesie ist von weiterem Umfang als der Roman […]: Denn er enthält und kann enthalten nicht etwa nur Geschichte und Geographie, Philosophie und die Theorie fast aller Künste, sondern auch die Poesie aller Gattungen und Arten — in Prose«, schreibt Herder 1796.

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1999

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