Advertisement

Eine Generation, die sich nicht entfalten kann: Unterdrückung und Überleben

Chapter
  • 51 Downloads

Zusammenfassung

Die ersten Beispiele für die Unterdrückung offener politischer Schriftstellerei in Rom deuteten an, was an Schlimmerem noch kommen sollte. Die Einschüchterung der alten Oberschicht, die Tacitus durch seine Darstellung der Herrschaft des Tiberius berühmt machte, hatte schon zu Augustus’ Lebzeiten begonnen und sollte wohl auf das Jahr 4 n. Chr. datiert werden, das Jahr, in dem Augustus seinen zweiten Enkel und Erben Lucius verlor und die Rolle des designierten Nachfolgers widerwillig auf Tiberius übertrug.1 Um Tiberius’ Stellung und die Wirkung, die er als Prinzeps auf das politische Leben und die Literatur hatte, verstehen zu können, muß man einige Widersprüche in seiner Biographie zusammentragen. Er war nur ein Jahr nach Ovid geboren, aber von Eltern aufgezogen worden, die sich auf der Flucht befanden und den wechselnden Loyalitäten der Kriege der Triumviratszeit ausgesetzt gewesen waren. Er wuchs im Hause seines Stiefvaters auf und erzielte als militärischer Führer bedeutende Erfolge, wurde aber in der Nachfolgefrage übergangen. Er gab seinem Ressentiment durch ein selbstverhängtes Exil Ausdruck, indem er sich zu Studien auf die griechische Insel Rhodos zurückzog, wurde aber zurückgerufen und bekam die Rolle eines Co-Caesar neben Augustus zugewiesen, als er schon über 45 war, nach römischen Begriffen ein senior. Augustus lebte über alle Erwartungen hinaus weiter, so daß man von Tiberius schließlich erwartete, den Prinzipat im fortgeschrittenen Alter von 65 Jahren zu übernehmen.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Notizen

  1. 1.
    Vgl. R. Syme, »History or Biography«, Historia 23 (1974), 484 = Roman Papers 3, 1984, 940: »Nicht 14 n. Chr., sondern 4 n. Chr. war das entscheidende Jahr.« In seinem Buch History in Ovid, Oxford 1978, 205 spricht er von »der düsteren, repressiven Atmosphäre, die das letzte Jahrzehnt seiner Herrschaft überschattete«.Google Scholar
  2. 4.
    Vgl. A. J. Woodman, »Questions of Date, Genre, and Style in Velleius: Some Literary Answers«, CQ 25 (1975), 272–306 und die Einleitung zu Velleius Paterculus:TheTiberian Narrative, Cambridge 1977, 28–56.CrossRefGoogle Scholar
  3. 5.
    Vgl. K. Heldmann, Antike Theorien über Entwicklung und Verfall der Redekunst, München 1982.Google Scholar
  4. Eine kurze Erörterung des Gegenstandes findet sich bei R.E. Fantham, »Latin Criticism of the Early Empire«, in: The Cambridge History of Literary Criticism, hg. v. G. A. Kennedy, Cambridge 1988, 274–96.Google Scholar
  5. 12.
    Vgl. den Brief an Tiro fam. 16, 5, 4 (124 SB) und D.R. Shackleton Bailey, Cicero: Epistulae ad Familiares, Bd. 1, Cambridge 1977, 23–24.Google Scholar
  6. 14.
    F.M. Ahl, »The Rider and the Horse: Politics and Power in Roman Poetry«, in: ANRW II 32.1, Berlin 1984, 61. Ahl konzentriert sich auf Dichtung und die Erklärung oder versteckte Andeutung poetischen Dissenses. Er findet Äußerungen nonkonformer Meinungen, wo andere, ich selbst eingeschlossen, keine sehen, doch stimmen wir darin überein, daß politische Implikationen in der Dichtung der iulischclaudischen Jahre vor Nero nicht vorhanden sind.Google Scholar
  7. 15.
    Da Testimonien, die Germanicus explizit als Verfasser der Aratea ausweisen, fehlen, sind die Handschriften unser einziger Beleg für seine Verfasserschaft. D.B. Gain, The Aratea ascribed to Germanicus Caesar, London 1976, untersucht die Belege, die Germanicus als Verfasser dieses Textes nennen, und zieht die Möglichkeit in Betracht, daß er in Wirklichkeit von Tiberius selbst verfaßt wurde; in diesem Fall wäre der im Proöm angesprochene ›Vater‹ Augustus als Tiberius’ Adoptivvater und die Erwähnung des Augustus später eingefügt worden.Google Scholar
  8. 16.
    Vgl. Manil. 2, 49–59 (eine Kritik an Hirten- und Lehrdichtung über rein irdische Gegenstände) und 3, 1–25 (eine ausführliche Ablehnung epischer Themen heroischen wie nationalen Charakters). M. Citroni, »Produzione letteraria e forme del potere«, in: Storia di Roma, hg. v. E. Gabba u. A. Schiavoni, Turin 1992, 2: 383–479, bemerkt, daß Manilius nicht einfach Vergils Ausruf in georg. 3, 3–6 anklingen läßt, sondern von einem Engagement angetrieben ist, das dem des Lukrez in nichts nachsteht (S. 395).Google Scholar
  9. 17.
    Vgl. G. P. Goolds hervorragende Einleitung zum Manilius der LCL (Cambridge, Mass. 1977) und Manil. 1, 385–86; 800–925. 2, 508; man beachte die Erwähnungen der Vergöttlichung des Augustus in 4, 552 und 934. Daß die auffallende Formulierung maximus auctor, die Manilius 1, 385 auf Augustus anwendet, im zweiten Vers von Germanicus’ (oben zitiertem) Proöm wiederholt wird, kann rein zufällig sein. Nicht so wahrscheinlich ist, daß die bei Manilius ganz anders gebrauchte Formulierung in den Aratea absichtlich variiert wird.Google Scholar
  10. 19.
    Es sei darauf hingewiesen, daß F.R.D. Goodyear, »Tiberius and Gaius: Their Influence and Views on Literature«, in: ANRW II 32.1, Berlin 1986, 603–10 die Ansicht vertritt, daß das Gedicht Aetna von den Naturwissenschaftlichen Fragen abhänge, wodurch es auf 65 oder später datiert würde, obwohl der Autor sein Gedicht als Neuheit ausgibt.Google Scholar
  11. 37.
    N. Horsfall, »Stesichorus at Bovillae?«, JHS 99 (1979), 26–48.CrossRefGoogle Scholar
  12. 38.
    Die beredten Argumente von T. P. Wiseman, »Satyrs in Rome? The Background to Horace’s Ars Poetica«, JRS 68 (1988), 1–13 überzeugen mich nicht.Google Scholar
  13. 39.
    Vgl. R.J. Tarrant, »Senecan Drama and Its Antecedens«, HSPh 82 (1978), 258–61 zu den erkennbaren Gemeinsamkeiten der Stücke des Varius und des Ovid.Google Scholar
  14. Zehn Fragmente sind in verschiedenen antiken Quellen erhalten; eine spekulative Rekonstruktion findet man bei E. Lefèvre, »Der Thyestes von L. Varius Rufus«, AAWM 9 (1976), 1–48.Google Scholar
  15. 44.
    Vgl. R. E. Fantham, »The Performance of Menander in the Late Republic and Early Empire«, TAPhA 114 (1984), 199–210.Google Scholar
  16. 55.
    C. Cichorius, Römische Studien, 1922, ND Darmstadt 1961, 423–29. Die diskutierte Formulierung war gradus eliminare, »seine Schritte über die Schwelle hinaustragen«.Google Scholar
  17. 56.
    In der Einleitung zu meiner Ausgabe von Seneca’s Troades, Princeton 1982. Argumente für die Aufführung auf einer Bühne finden sich bei D. F. Sutton, Seneca on the Stage, Leiden 1986Google Scholar
  18. A.J. Boyle, »Senecan Tragedy: Twelve Propositions«, in: The Imperial Muse: To Juvenal through Ovid, hg. v. A.J. Boyle, Melbourne 1988, 88–89.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1998

Authors and Affiliations

There are no affiliations available

Personalised recommendations