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Italien

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Zusammenfassung

Am 3. September 1786 verließ Goethe den böhmischen Badeort Karlsbad, an dem er sich seit Ende Juli aufgehalten hatte, um nach Italien aufzubrechen. Im Rückblick hat Goethe diese Abreise zur Flucht stilisiert; von der »Flucht nach Italien« spricht er im Gespräch mit Eckermann vom 10. Februar 1829 (MA 19, 282). Die Zeugnisse aus der Zeit selbst zeigen allerdings, daß die Abreise so überstürzt nicht war, wie Goethe sie später, nicht zuletzt am Beginn seiner Italienischen Reise, darstellte. Er hat sie vielmehr gründlich vorbereitet, zugleich jedoch die Absicht sorgfältig verschwiegen; niemand außer dem vertrauten Diener Philipp Seidel war informiert, nicht einmal der Herzog Carl August und ebenso wenig Charlotte von Stein. Die Abreise war so kaum eine spontane Flucht, wohl aber ein durchaus geplantes Ausbrechen aus einer offenbar zunehmend als unhaltbar erfahrenen Situation. Dafür gab es eine Reihe von Motiven. Goethe hatte sich seit der Ankunft in Weimar 1775 sehr bewußt auf die Tätigkeiten eingelassen, welche die verschiedenen Ämter, die er nach und nach übernahm, von ihm verlangten; er hatte dies nicht zuletzt in der Hoffnung auf Möglichkeiten der Veränderung im Herzogtum, auf Reformen im bürgerlichen Sinne getan und dabei auch manches auf den Weg gebracht. Zunehmend jedoch zeigte sich, daß Wunsch und Wirklichkeit nicht übereinstimmten, daß die Erwartungen sich nicht erfüllten und die schmale ökonomische Basis des Herzogtums, aber ebenso die beharrenden Kräfte am Hof weitreichende Veränderungen nicht zuließen.

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Notizen

  1. 3.
    Sigmund Freud: Der Dichter und das Phantasieren. Studienausgabe Bd. X. 5. korr. Aufl. Frankfurt 1969, S. 173.Google Scholar

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1999

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