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Der antike Prä-Text der Melancholie

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Zusammenfassung

Abendländische Geschichten pflegen mit der Antike zu beginnen — so auch die der Melancholie. Den mehr oder weniger verbindlichen Rahmen aller anthropologischen Reflexion im griechisch-römischen Altertum bildet das Vierelementeschema. Man muß sich allerdings vor Augen halten, daß sich dieses Schema mit seiner Relationierung von Elementen, Körpersäften und Jahreszeiten erst allmählich herausbildete und in der Antike selbst nicht die universelle Gültigkeit besaß, die spätere Zeiten in ihm sehen wollten. Im Corpus Hippokraticum (5./4.Jhdt. v. Chr.), der frühesten Quelle für die Lehre von den vier Säften, gibt es noch keine eindeutige Zuordnung von Körpersäften und Elementen; diese wird erst im 2. nachchristlichen Jahrhundert durch Galen vorgenommen.1 Auch die Bemerkungen zur Melancholie sind in den hippokratischen Schriften eher unsystematisch verstreut.2 Klibansky/Panofsky/Saxl weisen darauf hin, daß man kaum von einer Entwicklungsgeschichte der Melancholie sprechen kann, vielmehr häufig widersprüchliche Vorstellungen nebeneinander bestehen bleiben: »Neu auftauchende Bedeutungen verdrängten die alten nicht, kurz, es handelt sich nicht um einen Verfalls- und Verwandlungsprozeß, sondern um ein sich parallel vollziehendes Fortleben.«3 Eine Vierzahl der Temperamente ist erstmals bei Empedokles (5.Jhdt. v. Chr.) zu finden, der vier verschiedene Mischungsverhältnisse der Elemente im Blut feststellt und daraus vier verschiedene psychologische Typen ableitet. Festgeschrieben wird die Temperamentenlehre in spätantiken Traktaten, die Namen der Temperamente sind erst im 12. Jahrhundert belegt.4

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Notizen

  1. 1.
    vgl. insbes. Hellmut Flashar, Melancholie und Melancholiker in den medizinischen Theorien der Antike, Berlin 1966, 21 ff., 116 f.CrossRefGoogle Scholar
  2. 5.
    Erich Schöner, Das Viererschema in der antiken Humoralpathologie, mit einem Vorwort und einer Tafel von Robert Herrlinger, Sudhoff s Archiv für Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften, Beiheft 4 (1964), 102.Google Scholar
  3. 7.
    Vgl. auch Gernot Böhme, »Symmetrie. Ein Anfang mit Platon«, in: Symmetrie in Kunst, Natur und Wissenschaft, 2 Bde., Darmstadt 1986, I, 9–16.Google Scholar
  4. 10.
    Walter Müri, »Melancholie und schwarze Galle«, Museum Helveticum, 10 (1953), 21–38, 31;Google Scholar
  5. Vgl. auch Günter Bader, Melancholie und Metapher. Eine Skizze, Tübingen 1990, 22.Google Scholar
  6. 18.
    Vgl. Frances A. Yates, Gedächtnis und Erinnern. Mnemotechnik von Aristoteles bis Shakespeare, Berlin 1990, 60, 68.Google Scholar
  7. 22.
    Jackie Pigeaud, La maladie de l’âme. Etude sur la relation de l’âme et du corps dans la tradition médico-philosophique antique, Paris 1981, 10.Google Scholar
  8. 24.
    Vgl. J[ackie] Pigeaud, »Une physiologie de l’inspiration poétique. De l’Humeur au trope«, Les études classiques, 46/1 (1978), 23–31.Google Scholar
  9. 28.
    W. D. Ross, Parva Naturalia, vol. III, Oxford 1931, Anm. 2.Google Scholar
  10. 32.
    Vgl. Jackie Pigeaud, »Présentation«, in: Aristote, L’Homme de génie et la Mélancolie. Problème XXX, 1, traduction, présentation et notes par Jackie Pigeaud, Paris 1988, 48Google Scholar
  11. 33.
    Vgl. Hellmut Flashar, in: Aristoteles, Problemata Physica, übers, von Hellmut Flashar, Berlin 31983, 331.Google Scholar
  12. 35.
    Von Frauen ist ohnehin nicht die Rede; vgl. aber die anregende Arbeit von Juliana Schiesari, The Gendering of Melancholia. Feminism, Psychoanalysis and the Symbolics of Loss in Renaissance Literature, Ithaca, London 1992, die vorführt, wie der Melancholiediskurs männliche und weibliche Geschlechtscharaktere herausbildet und dem Mann als dem genial-kreativen Melancholiker die bestenfalls trauernde oder depressive Frau gegenüberstellt.Google Scholar

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