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»Bono caractere charta et rubricis exornatum«

Ein Straßburger Graduale in Rottenburg/N.
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Zusammenfassung

Nach der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern machte sich in erster Linie die katholische Kirche diese neuartige Technik zunutze, um in ihrer Krise des späten 15. und frühen 16. Jahrhunderts durch vielerlei Streitschriften, Predigtveröffentlichungen und Drucke von Bibeln und von Texten der Kirchenväter das ihr drohende Unheil abzuwenden. Gleichermaßen interessant erschien es den Druckern, den aufwendigen Prozeß des Notenschreibens durch die Drucktechnik zu vereinfachen. Bald wurde das Drucken von Missalia für die einzelnen Diözesen zu einem einträglichen Geschäft, dem sich aber nur wenige Angehörige der schwarzen Zunft verschrieben, weil die Drucke in der Regel unter strenger Aufsicht an den Bischofssitzen hergestellt werden mußten. In Straßburg war einer von ihnen Johannes Prüss, der durch das Drucken mehrfarbiger Liturgica auf sich aufmerksam machte. Er war es, der 1501 in Straßburg ein »Graduale secundum laudabilem cantum gregorianum« anfertigte, von dem heute nur noch fünf Exemplare nachweisbar sind.1 Der Druck erweist sich als bedeutend für die Straßburger Kirchen- und Druckgeschichte, stellt er doch das erste für diese Diözese gedruckte Graduale dar und kann als erster liturgischer Druck Straßburgs bezeichnet werden, der von einem Drucker auf eigenes Risiko und eigene Kosten hergestellt wurde. Einer der erhaltenen Bände befindet sich heute in der Diözesanbibliothek Rottenburg/N. und ist für die Forschung bislang unbekannt geblieben.

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Notizen

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1996

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