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Rauschmittel im Urteil der modernen Drogenforschung

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Zusammenfassung

Das Verhältnis eines Schriftstellers zu seinen professionellen Kritikern ist sicher nicht immer durch innigste Zuneigung geprägt. Das mag u. a. daran liegen, daß es eher Verdruß als Genuß bereitet, ein mühsam errungenes Kunstprodukt den Seziertischen von Feuilleton und Wissenschaft überlassen zu müssen und damit gewissermaßen enteignet zu werden. Mancher Künstler wird es daher wie eine Anmaßung empfinden, wenn seine blaue Blume zuletzt das Knopfloch des Kritikers ziert. Was weiß denn der Literaturwissenschaftler schon, wie es ist, sich am Klondyke-Paß durchzuschlagen, könnte etwa Jack London sagen, und ein Autor wie Poe, der doch selbst mit sichtlichem Vergnügen polemische Rezensionen schrieb, könnte ebenso geringschätzig über die Amerikanistenliga urteilen, die seine Seelenqualen so gründlich verstanden zu haben glaubt. In Malcolm Lowrys Erzählung „Through the Panama“ ereifert sich der Protagonist: „Und doch: Was für ein Anrecht haben diese Junior-Schulmeister der amerikanischen Literatur auf Kafka oder Melville? Sind sie zur See gefahren? Haben sie Not gelitten? Unsinn. Wahrscheinlich sind sie sogar in ihrem Leben noch nicht einmal betrunken gewesen oder haben je einen ehrlichen Kater gehabt …“ [HU 75] Art Hill, einer der vielen Interpreten von Lowrys Under the Volcano, äußert sich ähnlich über die Kritiker dieses Romans: „Die meisten von ihnen, glaube ich, haben einfach keine Vorstellung von den abwegigen Vorgängen im Kopf eines Alkoholikers. Sie sind blinde Opfer jener seligen Unwissenheit, die sie dem Umstand verdanken, niemals einen beträchtlichen Teil ihres Lebens damit verbracht zu haben, sich zu betrinken.“1

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Anmerkungen

  1. 1.
    Hill (1974), p. 34.Google Scholar
  2. 2.
    Ein Kunstwerk entsteht als Kunstwerk erst in der Reflexion des Betrachters, der es durch seine eigene, interpretierende Vorstellungskraft immer neu erschaffen muß. In diesem Sinn ist der Autor selbst nur der erste und keineswegs zwangsläufig auch der kompetenteste Betrachter seiner Werke. In einem geistlosen Vakuum, wenn es ein solches denn irgendwo geben mag, vielleicht auf dem Mars oder auf einer einsamen Insel, wären Laokoon oder die Mona Lisa oder die gesammelten Werke Shakespeares bloß bedeutungslose Materie, da sie dort keinen Rezipienten finden, bei dem sie Affekte erregen, einen Eindruck bewirken und dadurch sich als Bedeutendes konstituieren könnten.Google Scholar
  3. 3.
    Aus der Fülle der möglichen Beispiele sei hier stellvertretend auf zwei gegensätzliche Positionen hingewiesen. In einem britischen Fachjournal vertritt der Mediziner Linford Rees, offenbar in völliger Ignoranz der zeitgenössischen Forschungsergebnisse, die Ansicht, daß kein Rauschmittel in der Lage sei, das kreative Schaffen des Künstlers positiv zu beeinflussen. So schreibt er über das Morphin: „Morphin erzeugt gewöhnlich einen Dämmerzustand, Konzentrations- und Denkschwierigkeiten, Apathie, Lethargie und bei manchen Menschen eine ausgeprägte Phobie, Angst und Vorahnungen, so daß es zur Beförderung des literarischen Schaffens ohne Wert ist.“ (p. 5) Da hiermit anscheinend alles gesagt ist, was sich zu sagen lohnt, wendet er sich gleich der nächsten Droge zu und schreibt über das Haschisch: „… abgesehen davon, daß es einige anormale oder ungewöhnliche Sinneserfahrungen hervorruft, die einen Stoff zum Schreiben abgeben mögen, hat es im Hinblick auf die Förderung der literarischen Arbeit keinen besonderen Nutzen.“ Überhaupt sind die Halluzinogene bei Rees zur Förderung kreativer Impulse denkbar ungeeignet: „Halluzinogene begünstigen das literarische Talent und die Produktivität in keiner Weise.“ (p. 9) — Andere Wissenschaftler beziehen mit der gleichen Nonchalance die Gegenposition. So wagt Alexandre Walter die in ihrer Pauschalität kaum akzeptable Behauptung: „Die Originalität, die sich in manchen Werken großer rauschgiftsüchtiger Schriftsteller zeigt, beruht vor allem auf den besonderen Impressionen, die sie dem Drogengebrauch verdanken und die sie nutzten.“ (p. 47) Obwohl diese Äußerung vor mittlerweile fast siebzig Jahren gemacht wurde, belegt auch sie eine unverständliche Mißachtung des zeitgenössischen Forschungsstandes, der schon damals in zahlreichen Studien reflektiert wurde, und eine groteske Vorstellung von den Bedingungen des kreativen Schaffens. Originalität aus der Flasche, dies weiß schon Baudelaire, kann es nicht geben.Google Scholar
  4. 4.
    Abrams (1970), p. xv. Abrams zitiert aus Lewin, Louis: Phantastica, London 1931.Google Scholar
  5. 5.
    Schneider, E., pp. 27/28.Google Scholar
  6. 6.
    Vgl. den Brief an Dr. Humphry Osmond vom 22. Juli 1956. [M 144].Google Scholar
  7. 7.
    Ein Beispiel hierfür ist die Dokumentation, die Armin H. Neliba für den Wiesbadener Verlag Das Junge Wort am 30. Mai 1990 in seiner Reihe „Exclusiv-Bericht“ herausgab. Das für die meisten Benutzer sicher wichtigste Kapitel dieser Schrift, nämlich ein Glossar, das grundsätzliche Informationen über die verschiedenen Rauschmittel bieten soll, ist erstens sehr lückenhaft (Meskalin und die ganze Bandbreite der Pilzdrogen bleiben unberücksichtigt, von neu auf den Markt gekommenen Substanzen wie der Kokainvariante „Crack“ oder dem Amphetaminderivat „Ice“ ganz zu schweigen) und basiert zweitens auf einem weitgehend veralteten Forschungsstand: So werden unter dem Stichwort „Opium“ als hauptsächliche Informationsquelle immer noch De Quinceys Bekenntnisse eines englischen Opiumessers genannt, während unter dem Stichwort „Rausch“ auf Huxleys Schöne neue Welt verwiesen wird, wo tatsächlich nur die erfundene und mit realen Halluzinogenen wie LSD oder Meskalin nicht vergleichbare Droge „Soma“ vorgestellt wird), während die Vielzahl von Huxleys informativeren Schriften über die Erfahrung mit Halluzinogenen und anderen Rauschmitteln unerwähnt bleibt.Google Scholar
  8. 8.
    Heute wird im allgemeinen wieder die Bezeichnung „Morphin“ vorgezogen.Google Scholar
  9. 9.
    Dennoch wurde das Heroin in Deutschland noch bis 1958 als verschreibungspflichtiges Medikament hergestellt.Google Scholar
  10. 10.
    „Gegenwärtiger Stand der Haschischforschung“, p. 1397; in: Völger/von Welck, Bd. 3, pp. 1397–1401.Google Scholar
  11. 11.
    Vgl. Neliba, p. VIII–4.Google Scholar
  12. 12.
    Die einzige Verbindung zwischen Marihuana und Opiaten, schreibt Cohen, „besteht darin, daß Marihuana gewöhnlich die erste verbotene Droge ist und dementsprechend andere verbotene Drogen mit größerer Wahrscheinlichkeit probiert werden“ (p. 1394). Erhebungen zeigen jedoch, daß nur ein sehr geringer Anteil der Cannabiskonsumenten später auch zu Opiaten greift, und es steht außer Frage, daß die spezifische Wirkung von Cannabis durchaus kein Verlangen nach Opiaten erweckt. Vgl. auch Leonhardt, p. 1322.Google Scholar
  13. 13.
    Cohen, p. 1391.Google Scholar
  14. 14.
    Sulle virtù igieniche e medicinali della coca, Mailand 1859.Google Scholar
  15. 15.
    Der Gebrauch von Coca verbreitete sich schon lange vor der Inkaherrschaft, wahrscheinlich im 3. vorchristlichen Jahrtausend, von Ecuador aus über weite Teile des südamerikanischen Kontinents und wird in den Texten der weißen Eroberer erstmals 1499 von einem dominikanischen Missionar erwähnt. Hierauf wurde Coca zusehends für fehlgeschlagene Missionierungsversuche verantwortlich gemacht, so daß sein Anbau und Genuß 1551 durch das Konzil von Lima verboten wurden. (Vgl. Springer [1989], pp. 15 ff.)Google Scholar
  16. 16.
    Das Schnupfen von Kokain wurde in Europa erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts üblich, nachdem erste Berichte über diese Praxis schwarzer Landarbeiter im Süden der Vereinigten Staaten bekannt geworden waren. (Vgl. Springer, pp. 42 und 123.)Google Scholar
  17. 17.
    Freud, Sigmund: „Über Coca“, Centraiblatt für die gesamte Therapie, Nr. 2, 1884. — Freud empfahl das Kokain zur therapeutischen Behandlung von Hysterie und Neurasthenie und zur Durchführung von Morphin- und Alkoholentziehungskuren, sowie als Stärkungsmittel, als Mittel gegen Asthma, als Betäubungsmittel für die Narkose und schließlich auch als Aphrodisiakum. Später wandte er sich von seiner anfänglich recht hemmungslosen Propaganda für die Droge zusehends ab (vgl. hierzu Stingelin [1993]).Google Scholar
  18. 18.
    Vgl. hierzu Ray Shells Roman Iced (London 1993, dt.: Vereist. Tagebuch eines Crack-Abhängigen, München 1994).Google Scholar
  19. 19.
    Über Crack und seine Wirkung vgl. Springer, pp. 190 ff.Google Scholar
  20. 20.
    Vgl. Springer, p. 121.Google Scholar
  21. 21.
    Vgl. Spotts/Shontz, in: Völger/von Welck, Bd. 3, pp. 1402–1409.Google Scholar
  22. 22.
    Vgl. Fürst, Peter T.: „Pflanzenhalluzinogene in frühen amerikanischen Kulturen — Mesoamerika und die Anden“, in: Völger/von Welck, Bd. 2, pp. 567–583.Google Scholar
  23. 23.
    „Peyote macht erwiesenermaßen nicht süchtig und hat keinerlei Nachwirkungen außer denen, die nicht auch einer schlaflosen Nacht zugeschrieben werden könnten.“ (La Barre, p. 820.)Google Scholar
  24. 24.
    Huxley äußerte sich 1953 enthusiastisch über das Meskalin und lobte seine Vorzüge gegenüber herkömmlichen Drogen (vgl. Seite 631). Später wird sein Lob der Droge dann aber doch etwas verhaltener.Google Scholar
  25. 25.
    Eine rätselhafte Seuche, die seit dem frühen Mittelalter als „Antoniusfeuer“ bekannt war, beruhte, wie erst im Lauf des 18. Jahrhunderts ermittelt wurde, auf der Verunreinigung von Roggenmehl durch Bestandteile dieses Pilzes. Seine gefäßverengende Wirkung ließ die Extremitäten absterben und führte zu einem qualvollen Tod, der als eine Strafe Gottes angesehen wurde, zumal die Kranken auch von auffälligen Visionen heimgesucht wurden.Google Scholar
  26. 26.
    Hofmann, Albert: „LSD — Seine Erfindung und Stellung innerhalb der Psychodrogen“, p. 1124.Google Scholar
  27. 27.
    In seinem Vorwort zur Ausgabe der gesammelten psychedelischen Schriften Aldous Huxleys schreibt Hofmann: „Obwohl das LSD … eine halbsynthetische Substanz ist, die ich im Labor aus der in Ergot, einem Roggenpilz, enthaltenen Lysergsäure herstellte, gehört es sowohl nach seiner chemischen Zusammensetzung als auch im Hinblick auf die psychotrope Wirkungsweise zur Gruppe der mexikanischen Opferdrogen. Diese Einordnung wird ferner dadurch gerechtfertigt, daß wir in einer anderen mexikanischen Opferdroge, Ololiuqui, als aktive Substanzen Lysergsäureamid und Lysergsäurehydroxyäthylamid gefunden haben, die dem Lysergsäurediäthylamid sehr nahe verwandt sind.“ („Preface“, p. 14; in: M 13–15. Vgl. auch M 166.)Google Scholar
  28. 28.
    Zit. nach Kotschenreuther, pp. 80/81.Google Scholar
  29. 29.
    Vgl. hierzu den Bericht im Spiegel Nr. 39 (25. Sept. 1989): „Alptraum vom Himmel. Eine neue Super- (und Horror-) droge hat das amerikanische Festland erreicht: ‚Ice‘“, p. 291.Google Scholar
  30. 30.
    DOM steht für die Bezeichnung Dimethoxymethylamphetamin, während STP als Zusammensetzung der Anfangsbuchstaben von Serenity, Tranquillity und Peace die vermeintlichen Vorzüge der Droge benennt. Mit LSD haben diese Substanzen jedoch nichts zu tun.Google Scholar
  31. 31.
    Vgl. Hill (1993), p. 62. Zur weiteren Information über Designerdrogen und ihren Gebrauch in der Szene vgl. Nasmyth, Dudley (1990) und Gottschling (1996).Google Scholar
  32. 32.
    Vgl. hierzu Kotschenreuther, p. 123.Google Scholar
  33. 33.
    Kotschenreuther (1978), p. 125.Google Scholar
  34. 34.
    Bittmann (1987), p. 8.Google Scholar
  35. 35.
    Goodwin (1990), pp. 91/92. — Goodwin bezieht sich auf die 1987 von der American Psychiatric Association in Washington, D.C. herausgegebene dritte, verbesserte, Auflage der Schrift Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders.Google Scholar
  36. 36.
    Vgl. Richard Evans Schultes: „Einführung in die Botanik der wichtigsten pflanzlichen Drogen“, in: Völger/von Welck, Bd. 1; pp. 46–73.Google Scholar
  37. 37.
    Jaffé (1983), p. 79.Google Scholar
  38. 38.
    Jung im April 1954; zit. nach Jaffé, p. 85.Google Scholar
  39. 39.
    So schlägt Heigl vor, den Begriff „bewußtseinserweiternd“ durch „bewußtseinsintensivierend“ zu ersetzen, weil diese Bezeichnung „besser und genauer“ sei (vgl. Heigl [1980], p. 111), während Kaehler zwar ebenfalls meint, daß man „völlig zu Unrecht“ von „bewußtseinserweiternden“ Drogen spreche, aber die Bezeichnung „bewußtseinsspaltend“ oder „bewußtseinsverändernd“ für die beste Lösung hält (p. 152).Google Scholar
  40. 40.
    Ammon et al. (1971), p. 4.Google Scholar
  41. 41.
    Jaeckle (1973), p. 26.Google Scholar
  42. 42.
    Leuner (1962), p. 34. — Den gleichen Vorgang bezeichnen Ammon und Götte etwas unglücklich als ein Erschließen „fremder Seelenbereiche“. (Ammon et al. [1971], p. 40.)Google Scholar
  43. 43.
    „Die beiden chemischen Stoffe, die zur Herbeiführung einer Bewußtseinsveränderung im Sinn einer spirituellen Erfahrung am geeignetsten sind, sind Meskalin und Lysergsäurediäthylamid (kurz als LSD bekannt).“ (Watts [1961], p. 130.)Google Scholar
  44. 44.
    Watts, Alan W: „The New Alchemy“, pp. 130/131.Google Scholar
  45. 45.
    Zit. nach Seefelder, p. 124.Google Scholar
  46. 46.
    Vgl. Shapiro, p. 256.Google Scholar
  47. 47.
    Täschner, „Drogenkonsum — Stand der Forschung aus medizinischer Sicht“, pp. 1428/1429. — Der Qattyp nimmt Bezug auf Qat, einen Strauch, dessen Blätter im Orient als Genußmittel aufbereitet werden.Google Scholar
  48. 48.
    Erst kürzlich entdeckte übrigens der Molekularbiologe Sean Munro im englischen Cambridge auch einen THC-Rezeptor außerhalb des Gehirns, nämlich in der Milz, der gewisse Funktionen bei der Steuerung von Abwehrreaktionen des Immunsystems zu übernehmen scheint. Die Forschungsbemühungen gelten nun der Suche nach einem Wirkstoff im Marihuana, der sich nur an diesen Rezeptor bindet, also schmerzstillend oder entzündungshemmend wirkt, ohne gleichzeitig den schon länger bekannten Rezeptor im Gehirn anzusprechen (vgl. Munros Bericht in Nature, Bd. 365 [1993], p. 61).Google Scholar
  49. 49.
    „Zwei Säfte gehen ineinander ein, der zerebrale und der der Mohnkapsel“ [A 227], hatte Ernst Jünger schon einige Jahre vor der Entdeckung der Endorphine geschrieben, wobei er wohl kaum geahnt haben mag, wie recht er mit dieser Feststellung hatte.Google Scholar
  50. 50.
    Snyder (1988), p. 55.Google Scholar
  51. 51.
    Zehentbauer (1993), p. 36.Google Scholar
  52. 52.
    Snyder, p. 65.Google Scholar
  53. 53.
    Zehentbauer, p. 46.Google Scholar
  54. 54.
    Op. cit., pp. 176/177.Google Scholar
  55. 55.
    So berichtete die International Herald Tribune im Juni 1990 über Forschungsergebnisse amerikanischer Wissenschaftler, die vermuten lassen, daß bei manchen Drogensüchtigen gewisse „Unausgewogenheiten in der Chemie des Gehirns“ für Depressionen oder eine gesteigerte Unruhe verantwortlich sind, die mit dem Konsum einer bestimmten Droge ausgeglichen werden: „Für solche Menschen wird die Sucht gewissermaßen zu einer medikamentösen Eigentherapie, bei der die Droge das chemische Ungleichgewicht korrigiert und so eine gewisse Besserung verschafft.“ (Goleman [1990], p. 8) So wäre etwa denkbar, daß viele Kokainsüchtige an einem Depressionen erzeugenden Dopamin-Mangel leiden, der durch die Einnahme der Droge ausgeglichen wird: die Kokain-Euphorie wird nämlich durch einen Dopamin-Überschuß im Gehirn bewirkt. Ebenso wird vermutet, daß ein Mangel an Opioiden im Gehirn eine chronische Reizbarkeit und die Neigung zu cholerischen Anfällen zur Folge habe, die der Süchtige durch die Einnahme von Opiaten unter Kontrolle bringt.Google Scholar
  56. 56.
    Der Psychotherapeut Victor-Emil von Gebsattel schreibt über die Sucht: „Genau so wie für den Psychopathologen der Begriff der neurose-artigen Struktur viel weiter ist als für den Kliniker, genau so verhält es sich auch mit dem Begriff der Sucht. Es gibt kaum eine Richtung menschlichen Interesses und menschlichen Verhaltens, das nicht süchtig entarten kann. So der Kult des Schönen, aber auch die Moral, die Arbeit, der Bildungstrieb, der gesellschaftliche oder professionelle Ehrgeiz, das sexuelle Verhalten (z.B. enthalten alle Perversionen ein süchtiges Moment), das Sammlertum, der Erwerbstrieb, das Machtstreben. Sogar das Fühlen kann süchtig werden, wie die Sentimentalität lehrt. Die Toxikomanie ist nur ein extremer, klinisch besonders in die Augen springender Fall der universellen Süchtigkeit, welcher der entscheidungsgehemmte Mensch verfällt.“ (p. 133)Google Scholar
  57. 57.
    Ich beziehe mich hier auf ein Untersuchungsergebnis von Anne Wilson Schaef (zit. in: Schuller/Kleber, p. 7.)Google Scholar
  58. 58.
    Vgl. Gelpke, p. 184.Google Scholar
  59. 59.
    Gebsattel, pp. 130/131.Google Scholar
  60. 60.
    Op. cit., pp. 226/227.Google Scholar
  61. 61.
    Ich paraphrasiere hier seine Darstellung, wie sie dem Kapitel IV seines Essays „Du Vin et du Hachish“ (1851) und dessen Überarbeitung in „Le Poëme du Haschisch“ zu entnehmen ist.Google Scholar
  62. 62.
    Im ersten Kapitel der 1845 in Paris erschienenen Studie Du Hachisch et de l’aliénation mentale beschreibt Moreau den Verlauf des Haschischrausches: Zunächst mache sich die beginnende Wirkung physisch bemerkbar (ein leichter Druck auf Stirn und Schläfen, Verlangsamung der Atmung, Beschleunigung und gleichzeitige Schwächung des Pulses, ein angenehmes Wärmegefühl, einsetzende Schwere der Glieder und leichte Muskelspannungen, nervöse Auswirkungen wie plötzliche Hitzewellen und leichte spasmische Zuckungen). Die psychischen Auswirkungen beginnen mit einem unbegründeten Glücksgefühl, das sich zu einer „gaieté folle“ steigere und mündeten allmählich in eine nervöse Wachheit der Sinne, deren unvermittelte Hypersensibilität bei irritierenden Geräuschen zu heftigen Reaktionen bis hin zur Tobsucht führen könne. Gleichzeitig mache sich eine fortschreitende Schwächung des Körpers und endlich auch der Willenskraft bemerkbar. Als nächstes zeige sich eine erhebliche Beeinträchtigung des Raum- und Zeitempfindens (vgl. pp. 68/69). Sodann stellten sich synästhetische Phänomene ein, denen „idées fixes“ folgten, die denen des „délire partiel“ ähnlich seien. Hierauf komme es zu „impulsions irrésistibles“, Eingebungen wie etwa der Überzeugung, man könne fliegen wie ein Vogel. Schließlich begännen die eigentlichen Halluzinationen, deren Zustandekommen Moreau durch die Aktivierung eines latent vorhandenen Potentials erklärt: „Wie alle anderen Phänomene einer morbiden Geisteshaltung (Zwangsvorstellungen, unwiderstehliche Antriebe, usw. usw.) sind die Illusionen in einem erregten Gehirn sozusagen latent vorhanden. Potentiell sind sie alle dort schon angelegt, und die verschiedensten Anlässe können sie zum Vorschein bringen.“ (p. 155).Google Scholar
  63. 63.
    Aus Joël und Fränkel: „Der Haschischrausch“, Klinische Wochenschrift, 1926, V, p. 37; zitiert in: Benjamin, Walter: Über Haschisch, pp. 45/46.Google Scholar
  64. 64.
    Vgl. auch die Tabellen über den typischen und atypischen Rauschverlauf bei einmaligem Konsum von Haschisch in Täschner, Karl-Ludwig: „Drogenkonsum — Stand der Forschung aus medizinischer Sicht“, p. 1434.Google Scholar
  65. 65.
    Ammon, Günter: „Bewußtseinserweiternde oder bewußtseinszerstörende Drogen?“, p. 12.Google Scholar
  66. 66.
    Leuner, Hanscarl: „Tiefenpsychologische Aspekte der Drogenerfahrung“, pp. 1130/1131.Google Scholar
  67. 67.
    So heißt es etwa in Aldous Huxleys „Mescaline and the ‚Other World‘“ (1955): „Wie Klüver in seinem Buch über Peyote gezeigt hat, gehören visionäre Erfahrungen, auch wenn sie von Individuum zu Individuum variieren, dennoch zu ein und derselben Familie. Meskalinerfahrungen der klassischen Art weisen gewisse markante Merkmale auf.“ [M 89]. Huxley bezieht sich auf Heinrich Klüvers Mescal: The ‚Divine‘ Plant and Its Psychological Effects, London 1928. — Erste Andeutungen zur Unterscheidung diverser Rauschphänomene im Zusammenhang mit der Interpretation literarischer Texte finden sich bereits in Brie (1920), vgl. p. 13 f.Google Scholar
  68. 68.
    Vgl. den Bericht des Oxforder Religionsprofessors R.C. Zaehner: „Ein Universum der Farce“, pp. 112 ff.; in: Reavis, pp. 110–120.Google Scholar
  69. 69.
    Vgl. etwa die Äußerungen Harry Hallers in Hermann Hesses Roman Der Steppenwolf (p. 371; in: Gesammelte Dichtungen, Bd. 14).Google Scholar
  70. 70.
    Vgl. den Bericht Albert Hofmanns, in dem ein „Lachreiz“ erwähnt wird („LSD — Seine Erfindung und Stellung innerhalb der Psychodrogen“, p. 1122).Google Scholar
  71. 71.
    „Lachen. Üblich bei allen Halluzinogenen. Das endlose Gelächter, das der Hanf bewirkt, ist berühmt und leicht erkennbar.“ [CPG 24] — In einer Fußnote fügt Michaux hinzu: „Unter dem Einfluß von Peyotl oder Meskalin lachen manche Tränen. Francisco Hernandez, den Professor Heim zitiert, spricht von ‚Champignons‘, die Teyhuinti genannt werden und nach dem Verzehr nicht den Tod, sondern eine Art von Wahnsinn herbeiführen, der zuweilen dauerhaft ist und dessen Kennzeichen ein unvermeidliches Gelächter ist. De historia plantarum Nova Hispaniae, p. 357.“Google Scholar
  72. 72.
    Hayter, pp. 42/43.Google Scholar
  73. 73.
    Op. cit., p. 43.Google Scholar
  74. 74.
    So ist gelegentlich von Rauschenthusiasten zu hören, ihre Aufmerksamkeit sei nie so klar wie unter dem Einfluß der Droge, weshalb etwa ihre Fähigkeit, ein Auto zu steuern, nicht nur nicht beeinträchtigt, sondern sogar bedeutend gesteigert werde. Zwar haben jüngste Untersuchungen der Universität Limburg in Maastricht gezeigt, daß Cannabis das Fahrvermögen oft kaum oder gar nicht beeinträchtigt und manchmal tatsächlich eine gesteigerte Konzentrationsfähigkeit und ein umsichtigeres Verkehrsverhalten bewirkt. Dennoch hält das deutsche Bundesverkehrsministerium nicht grundlos an der Überzeugung fest, daß Haschisch am Steuer ein unnötiges Risiko schaffe. Schließlich ließen auch die holländischen Forscher vorsichtshalber nur jene Testpersonen, die nicht mehr als eine Marihuanazigarette geraucht hatten, mit Fahrschulautos am öffentlichen Verkehr teilnehmen. „Die stärker berauschten Probanden loszuschicken“, so referiert Wolfgang Blum, „das trauten sich die Forscher nicht.“ („High am Steuer“, Die Zeit, Nr. 43 [21. Oktober 1994], p.54). Tatsächlich sind u.a. folgende cannabisinduzierte Wirkungen denkbar, die sich im Straßenverkehr als ungünstig oder gefährlich erweisen mögen: 1. Die wache Aufmerksamkeit kann sich bei gleichzeitiger Trübung des Umfeldes auf einen bestimmten Gegenstand konzentrieren. 2. Die Fähigkeit zur Selbsteinschätzung unter Drogeneinfluß kann erheblich reduziert sein. 3. Die Reaktionsfähigkeit und die zur Ausführung einer Handlung benötigte Willenskraft und Körperbeherrschung kann mitunter erheblich geschwächt sein.Google Scholar
  75. 75.
    Vgl. Gelpke, p. 242.Google Scholar
  76. 76.
    Taylor, p. 54.Google Scholar
  77. 77.
    Gautier, Théophile: „Le Club des Hachichins“, p. 226; in: Récits fantastiques.Google Scholar
  78. 78.
    „Le sommeil et le rêve, obscurs paradis bleus / Où sourit on ne sait quel azur nébuleux!“ (Zit. nach Béguin, Traumwelt und Romantik, p. 449).Google Scholar
  79. 79.
    Vgl. Witschel (1968), p. 87.Google Scholar
  80. 80.
    Fackert (1974), p. 67.Google Scholar
  81. 81.
    Witschel, p. 115.Google Scholar
  82. 82.
    Benjamin, Walter: Über Haschisch, pp. 58/59.Google Scholar
  83. 83.
    Ellis, p. 541.Google Scholar
  84. 84.
    Gebsattel, pp. 133/134.Google Scholar
  85. 85.
    „Haschisch-Visionen“, in: Reavis, pp. 57/58.Google Scholar
  86. 86.
    Kaehler, p. 253.Google Scholar
  87. 87.
    Récits fantastiques, p. 218 ff.Google Scholar
  88. 88.
    Hayter, p. 55.Google Scholar
  89. 89.
    Benjamin, Walter: Über Haschisch, p. 67.Google Scholar
  90. 90.
    Moreau, p. 25.Google Scholar
  91. 91.
    „Greene (1968) hat eine bestimmte Wirkung, die sowohl spontan als auch durch Drogengenuß hervorgerufen werden kann, eine außerkörperliche Erfahrung oder Reise in der Luft, den ‚ökosomatischen Effekt‘ genannt. Sie beschreibt die ökosomatische Wirkung so, daß ein Beobachter die wahrgenommenen Objekte aus einem anderen Blickwinkel als dem seines physischen Körpers betrachtet. Diese Erfahrung wird auch der Entpersönlichungseffekt genannt (Ludwig 1969). Barber (1970) faßt verschiedene klinische Studien über LSD und andere bewußtseinsverändernde Drogen zusammen und berichtet, daß fast alle Versuchspersonen ein „komisches Gefühl“ beschreiben. Bei höheren Dosen „verschmilzt der Körper mit der Umwelt oder schwebt im All“.“ (Dobkin de Rios, p. 593.) — Ähnlich äußerte sich Aldous Huxley, der bei der Jahrestagung der American Psychiatric Association 1955 feststellte, daß der Meskalinrausch meistens sehr unpersönlich sei. Die Ausführungen seiner Vorredner, so heißt es, hätten sich auf Erfahrungen beschränkt, die durch Angstzustände hervorgerufen oder geprägt werden: „Überdies enthalten sie zahlreiche Bezüge auf die persönlichen Erinnerungen und traumatischen Erfahrungen in der Kindheit des Probanden. Wie anders ist die klassische Meskalinerfahrung! Hier ist das beeindruckendste Merkmal, was von allen, die die Erfahrung gemacht haben, hervorgehoben wird, seine grundlegende Unpersönlichkeit. Die klassische Meskalinerfahrung besteht nicht aus bewußt oder unbewußt erinnerten Begebenheiten, befaßt sich nicht mit frühen Traumata und ist in den meisten Fällen nicht von Furcht und Angst geprägt.“ [M 87/88]Google Scholar
  92. 92.
    Taylor, pp. 58/59.Google Scholar
  93. 93.
    Op. cit., p. 57.Google Scholar
  94. 94.
    Dupouy, pp. 97/98.Google Scholar
  95. 95.
    Die zitierte Passage ist im Original mit der Marginalie „Très Très Très Très Très“ versehen.Google Scholar
  96. 96.
    Leuner, Hanscarl: Die experimentelle Psychose, p. 25.Google Scholar
  97. 97.
    Etwa in der Erzählung „The Premature Burial“ oder in „The Fall of the House of Usher“, aber auch indirekt wie z.B. im Fall des Erzählers in „Ligeia“, der in seinem Arbeitszimmer gleichsam lebendig begraben ist: „Begraben in Studien von einer Art, die mehr als alles andere dazu angetan waren, die Eindrücke von der Außenwelt abzutöten …“ [CTP 654]Google Scholar
  98. 98.
    Kaehler, p. 102. — Kaehler bezieht sich auf eine Opiumvision Baudelaires, in der er sich eingemauert glaube (in Nadars Baudelaire intime. Le poète vierge, Paris 1911, p. 136).Google Scholar
  99. 99.
    Gelpke, p. 61.Google Scholar
  100. 100.
    Der Steppenwolf, pp. 372/373; in: Gesammelte Dichtungen, Bd. 14.Google Scholar
  101. 101.
    Vgl. Pia (1985), p. 152.Google Scholar
  102. 102.
    Baudelaire, Charles: Pauvre Belgique, p. 1365; VII 333. — Analog dazu heißt es in dem Prosagedicht „A une heure du matin“: „Endlich! verschwunden ist die Tyrannei der Menschengesichter …“ [SP 240; VIII 143]Google Scholar
  103. 103.
    Höfele (1988), p. 64.Google Scholar
  104. 104.
    Abrams, The Milk of Paradise, p. 44. — Es versteht sich, daß der furchtbare Blick, dem der Berauschte in seiner Vision begegnet, gerade in der Literatur des 19. Jahrhunderts, in der das unheimliche Auge ohnehin als beliebtes Motiv erscheint (Vgl. Seite 407 ff. und 479 ff.), ein besonderes Interesse finden mußte: Man denke etwa an E.T.A. Hoffmanns Elixiere des Teufels, wo der Mönch Medardus mit Grausen dem stieren Blick des fremden Malers und dem irren Ausdruck seines Doppelgängers begegnet, oder auch an das in seinem „Sandmann“ ausgeführte Thema von Augen und Augenverlust; in Mary Shelleys Frankenstein, or The Modern Prometheus (1818) flieht der Held vor dem Anblick der Augen seines Monsters; in Charles Robert Maturins Melmoth the Wanderer (1820) ist die Hauptfigur gar mit einer diabolischen Magie der Augen ausgestattet. Demgegenüber ist zu beachten, daß viele dieser Autoren über eine gewisse Drogenerfahrung verfügten; so hat William Beckford sicherlich in Opiumphantasien geschwelgt, und auch der Kreis um Lord Byron, dem Mary Shelley angehörte, war mit der Wirkung dieser Romantikerdroge vertraut (vgl. etwa Hayter, p. 30 f. und Dieckhoff, p. 707). Ob das Motiv des furchtbaren Blicks nun aber in erster Linie als ein literarischer Gemeinplatz bestand und daher auch im Rauscherleben der Zeitgenossen seinen Niederschlag fand, oder ob nicht vielmehr die typische Rauscherfahrung den Zeitgeschmack ansprach und deshalb in das Repertoire literarischer Motive einging, ist heute nicht mehr zu entscheiden.Google Scholar
  105. 105.
    In einer Anmerkung erklärt Michaux: „Die Verzerrung der Linien, die hier ein gewöhnliches Phänomen ist, erklärt zum Teil das Monströse, Grimassierende, die ‚Drachen‘-Formen, aber nicht den starren Haß.“ (p. 118)Google Scholar
  106. 106.
    Dies wird durch eine von Tom Wolfe beschriebene Meskalin-Vision Ken Keseys bestätigt, die jedoch anscheinend nicht unangenehm war: „… Visionen von / Gesichtern / Gesichtern / Gesichtern / Gesichtern / Gesichtern / Gesichtern / so vielen Gesichtern, die ihm hinter den Augenlidern heruntergekurbelt werden, Gesichter, die er nie zuvor gesehen hatte, komplett mit Spektralwangenknochen und schwangeren Augen, flechsigen Bärten … Kesey fängt an, Augenlidfilme von Gesichtern zu kriegen, ganze Galerien von unheimlichen Gesichtern schäumen hinter seinen Augenlidern vorbei, Gesichter direkt aus dem Nichts.“ [EK 47; 57/58]Google Scholar
  107. 107.
    „Vision von Grimassen. Tausende von Menschen haben sie in innerer Vision erblickt, nachdem sie Meskalin, Haschisch, Opuntia cylindrica oder LSD nahmen: so erschreckende Gestalten, daß sie nicht im Traum daran dachten, das zu beobachten, was in dieser Grimasse etwas ganz anderes und noch vor jedem Rhythmus ist. / Hunderte oder Dutzende von grimassierenden Gesichtern also. Oft von vorn. Sie sind alle in einer spürbar ähnlichen Bewegung, wiederholen sich. Keines löst sich von den anderen ab. Keines ragt heraus, keines sondert sich ab oder macht eine andere Grimasse. Sie gehorchen alle demselben Rhythmus von Drehung und Wellenbewegung, der nicht langsamer wird noch anhält. Wenn es gelingt, sich von diesem grausigen Ausdruck abzuwenden …, sieht man diese Münder, wie in einer Art von eintönigem Kauen begriffen, und ihre Muskeln beherrscht von einem unerfindlichen automatischen Kaumechanismus. Auf dem Höhepunkt dieser Erscheinung geht die Verdrehungsbewegung des Mundes weit über das hinaus, was das Gesicht des unartikuliertesten Menschen produzieren mag. Die Intensität der Grimasse korrespondiert mit der Stärke des Rausches. Am Grad der Desartikulation der grimassierenden Gesichter konnte ich stets ablesen, ohne mich je getäuscht zu haben, an welchem Punkt des Rauschverlaufes ich mich befand. Der Rest ist Psychologie und außerordentlich komplex. Die Gesichter, denen man sich gegenüber sieht, verfolgen das verfremdete Thema durch ihre unmenschlichen Drehbewegungen, im Einklang mit seiner Schwierigkeit, die Situation zu beherrschen und sich wieder zu etablieren. Allein der Ausdruck des Blickes ist der eines Teufels, der die Angst des Berauschten sieht und sich daran erfreut, oder eines Doppelgängers, der ihn haßt …“ [CPG 18/19]Google Scholar
  108. 108.
    Schon in den frühesten Zivilisationen wurden Rauschmittel häufig nicht nur als Himmelsgaben, sondern als lebende Gottheiten verehrt und personifiziert. Vgl. hierzu die Beispiele, die Aldous Huxley in „The History of Tension“ (1956) aufzählt [M 157].Google Scholar
  109. 109.
    Der deutsche Übersetzungstitel des Romans John Barleycorn ist daher auch treffenderweise König Alkohol. — Die Personifizierung des Alkohols als „John Barleycorn“ ist keine Erfindung Jack Londons, sondern geht offenbar auf die Tradition der englischen Folk-Songs zurück: „Einer der bekanntesten englischen Folk-Songs ist die mysteriöse Ballade vom Kampf gegen einen gewissen Sir John Barleycorn. John Barleycorn, von dem eine gedruckte Version aus der Zeit James’ I. [d.i. 1603–1625, Anm. d. Vf.] überliefert ist und von dem der schottische Dichter und Balladensammler Robert Burns im 18. Jahrhundert eine eigene Fassung geschrieben hat, ist so geheimnisvoll, weil es Elemente eines alten Mythos vom Tod und der Auferstehung des Korngottes enthält und gleichzeitig in der Personifizierung des ‚Ritters Hans Gerstenkorn‘ den Kampf gegen den Alkohol symbolisiert.“ (Urban [1979], p. 187).Google Scholar
  110. 110.
    Vgl. etwa den Tagebucheintrag vom 16. Januar 1932 und die darauf Bezug nehmende Anmerkung der Herausgeber. (Mann, Klaus: Tagebücher 1931 bis 1933, p. 32)Google Scholar
  111. 111.
    Fallada, Hans: Der Trinker (posthum 1959), p. 8.Google Scholar
  112. 112.
    Vgl. op. cit., p. 38.Google Scholar
  113. 113.
    Op. cit., p. 30.Google Scholar
  114. 114.
    Op. cit., p. 29.Google Scholar
  115. 115.
    „Nur ein einziger Gegenstand, in dieser engen, doch von Ekel erfüllten Welt, lächelt mir zu: die Laudanum-Flasche; eine alte, schreckliche Geliebte; wie alle Geliebten, ach! fruchtbar an Liebkosungen und Treulosigkeiten.“ [SP 235; VIII 129]Google Scholar
  116. 116.
    Vgl. UV 91.Google Scholar
  117. 117.
    Auf die unterschiedliche Situation der romantischen und der heutigen Drogenkonsumenten verweist auch Hayter: „Niemand, der an die Opiumsüchtigen des frühen 19. Jahrhunderts im Sinn der Situation denkt, in der sie sich heute befänden — gezwungen, zögerliche Ärzte täglich um eine kaum ausreichende Dosis anzubetteln oder große Beträge für illegale Bestände zu zahlen, von gesetzlicher Verfolgung und Erpressung bedroht —, wird die Geisteshaltung von jemand wie Coleridge verstehen, der zwischen sich und der Droge kein anderes Hindernis hatte als sein eigenes Gewissen und die Vorwürfe seines engeren Familienkreises und der engsten Freunde; keine Schwierigkeiten und ein geringer Kostenaufwand bei der Beschaffung von Nachschub, keine öffentliche Schande, keine Gefahr der Strafverfolgung, unter den Ärzten eine geteilte Meinung über die Verdienste und Gefahren der Droge, und etliche vielgelesene Reisebücher über die Opiumesser des Ostens zur Beflügelung der Neugier und Experimentierfreude.“ (p. 28)Google Scholar
  118. 118.
    Gelpke, pp. 88/89.Google Scholar
  119. 119.
    Ellis, p. 547.Google Scholar

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1996

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