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Die Vermählung einer idealen Politik mit einer realen Kunst

Oper und Musikpolitik im Dritten Reich
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Zusammenfassung

Nationalsozialistische Musikpolitik wird überwiegend als ein intentional geschlossenes Ensemble zielgerichteter, durch eine rigorose und eindeutige Ideologie im Vorhinein festgelegter Maßnahmen betrachtet, mit denen das deutsche Musikleben diktatorisch und zentral gelenkt wurde. Zwar ist in der kulturhistorischen Forschung der letzten Jahre mehrfach auch auf das machtpolitische Konkurrenzverhältnis zwischen Goebbels, seinem Propagandaministerium und Rosenberg, der in seiner Eigenschaft als Beauftragter des Führers für die gesamte geistige und weltanschauliche Erziehung und Schulung der NSDAP das “Amt Rosenberg” einrichtete und leitete, hingewiesen worden1, doch werden in der musikwissenschaftlichen Forschung immer noch relativ unbedenklich Textstellen einzelner nationalsozialistischer Pamphlete — häufig Aufsätze und Kritiken aus den einschlägigen Fachzeitschriften — zitiert2, um politische Lenkungsmaßnahmen zu belegen. Implizit wird dabei vorausgesetzt, daß sowohl die genaue Einordnung von Einzeltexten in das kulturpolitische Umfeld unerheblich sei als auch, daß es eine geschlossene und zielgerichtete Musikpolitik des nationalsozialistischen Regimes gegeben habe. Probleme in der Lenkung des Musiklebens werden dabei auf Dummheit, Uninformiertheit, machtpolitische Intrigen etc. zurückgeführt. Dies alles trifft zu, ist aber in erster Linie Resultat einer Musikpolitik, deren Ziele, soweit sie nicht wirtschaftliche Fragen betrafen, umstritten waren und unklar blieben, ja in der Regel noch nicht einmal ansatzweise ausformuliert, geschweige denn organisatorisch umsetzbar waren.

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Notizen

  1. 3.
    F.K. Prieberg, Musik im NS-Staat, Frankfurt/M. 1982, 307. Klein, Viel Konformität und wenig Verweigerung, 159–162 verzeichnet eine geringfügig größere Anzahl.Google Scholar
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  3. 20.
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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1995

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