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Oper 1918 bis 1933

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Zusammenfassung

Das markanteste Datum in der Institutionen- und Sozialgeschichte der Oper in Deutschland ist das Ende des ersten Weltkriegs und der Beginn der Weimarer Republik, weil innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums, meist nur wenigen Monaten, die ehemaligen Hofopern in Staats- und Landestheater1 übergingen. Die Übernahme der Opernhäuser in eine öffentliche Trägerschaft und deren innere und äußere »Demokratisierung« sollte einen politisch gewollten, drastischen Bruch mit der Tradition des 19. Jahrhunderts darstellen, den im politisch gewünschten Sinne zu realisieren tatsächlich aber nur unzureichend gelang, so daß sich in spezifischer Weise politischer Anspruch und faktischer Opernbetrieb in einem Widerspruch befanden. Ein mindestens ebenso markantes Datum wie der Beginn der Republik scheint die Unterwerfung der Opernbühnen unter die diktatorische Staatsstruktur nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 zu sein. Bei näherem Betrachten wird jedoch deutlich, daß dieses Ereignis in vielem keinen wesentlichen Bruch zur Entwicklung innerhalb der Weimarer Republik bedeutete: die Nationalsozialisten zehrten ebenso wie von den Errungenschaften der Republik von ihren Defiziten, ohne jedoch, daß sie 1933 gezwungen gewesen wären, eine völlig neue Politik gegenüber der Oper (sowohl als Gattung wie als Betrieb) zu entwerfen oder durchzusetzen2. Dabei konnten sie sich insofern der Zustimmung sicher sein, als sich die Oper am Ende der Republik in einer Krise befand, von der der weitverbreitete Eindruck bestand, daß die Republik sie nicht würde lösen können.

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Notizen

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